Habe ich eine Derealisation? Schwindel, Panik und Benommenheitsgefühl
Was hat Schwindel, Benommenheit und ein Panikgefühl mit der Derealisation zu tun, gerne auch in Nachbarschaft mit der Depersonalisation? Das wollen wir kurz thematisieren. Der Begriff Derealisation taucht in diesem Kontext relativ häufig auf, aus der Praxis und aus der Videolandschaft. Das Ungünstige daran: Er beschreibt etwas, das viele Menschen erleben, ist aber zugleich ein zentraler Begriff aus der Psychiatrie, der etwas relativ Krankhaftes meint, da muss man aufpassen.
Was der Psychiater unter Derealisation versteht
Für den Psychiater ist die Derealisation eine Störung aus dem Formenkreis der dissoziativen Störungen, also der Abspaltung psychischer Faktoren, die meist mit Wahrnehmung zu tun haben, Dinge, die sonst verbunden sind, driften auseinander. Dazu gehören dissoziative Amnesien (früher die „Fugue", jemand läuft los und weiß nicht, was er tut), dissoziative Krampfanfälle, Besessenheitszustände und eben die Derealisation und Depersonalisation. Diese Phänomene deuten eher auf ein tiefsitzendes, psychiatrisch auffälliges Problem.
Das ist aber nicht das, was die meisten Patienten haben, wenn sie über Benommenheits- oder Schwankschwindelzustände sprechen. Dort ist gemeint: „Ich stehe einen Zentimeter neben mir", „wie in Watte gepackt", „eine Käseglocke um den Kopf", man nimmt die Realität nicht so wahr wie sonst. Das ist aber nicht die Derealisation, die der Psychiater oder Neurologe meint. Bei der dissoziativen Derealisation oder etwa bei schizophrenen Patienten kommen Phänomene hinzu, die in Denk- und Ich-Störungen reichen: jemand pflanzt mir Gedanken ein, kann meine Gedanken hören oder sie mir aus dem Kopf nehmen. Das beschreibt die typische Situation mit normalem Schwindel und Benommenheit nicht.
Der eigentliche Mechanismus: Hyperventilation
Hier liegt das typische Problem: eine Stresssituation, oft ausgelöst durch noch nicht erkannte oder lösbare Konflikte, die uns immer wieder in die Stresshormonausschüttung bringen. Das führt zu einer latenten oder ausgeprägten Hyperventilation, wir atmen zu viel und atmen dadurch zu viel CO2 ab. Ein typischer Beschwerdekontext: „Ich kriege schlecht Luft, habe schon eingeatmet, aber das befriedigende Gefühl der Einatmung fehlt." Das ist nichts Schlimmes, fühlt sich aber bedrohlich an.
Das Problem: Atmen wir mehr als nötig, bleibt der Sauerstoff bei 100 Prozent, aber das CO2 sinkt, und das Blut hat nur einen sehr engen pH-Bereich. Wird der Körper azidotisch oder alkalotisch, reagiert er sofort, die Atmung ändert sich, die Niere arbeitet anders, und uns geht es schlecht. Die CO2-Abnahme führt dazu, dass sich über eine Vasokonstriktion die Gefäße zusammenziehen, auch am Gehirn. Das Gehirn „denkt", wenig CO2 heiße viel Sauerstoff, die Durchblutung sei gesichert, also könnten die Gefäße enger stellen, aber sie ziehen so stark zusammen, dass die großen Hemisphären, unser normales Gehirn, weniger durchblutet werden. In der Prüfung macht das den Blackout und Schwindel, in Angstsituationen den Fluchtreiz. Ist es aber latent und unterschwellig den ganzen Tag da, entsteht genau dieser Zustand: „Ich stehe einen halben Zentimeter neben mir, bin nicht ganz in mir drin, erlebe meine Umwelt nicht mehr so realitätsbezogen wie sonst." Ein Phänomen, das sich sehr bedrohlich anfühlt, aber in der Regel keinen bedrohlichen Hintergrund hat.
Zuerst abklären, dann entspannen
Jedes relevante Symptom sollte von einem Facharzt für die jeweilige Disziplin zuerst ausdiagnostiziert werden. Hör nicht auf mich, solange dein Symptom nicht von einem Facharzt als ungefährlich, also ohne organisch erkennbare Ursache, eingeordnet wurde. Meistens läuft es so: Der Arzt sagt, Sie sind gesund, und der Patient sagt, schön, aber ich fühle mich trotzdem krank. Auch wenn es sich bedrohlich anfühlt, ist die Ursache meist relativ ungefährlich, und wir dürfen lernen, im Alltag einige Dinge zu beachten (siehe die anderen Videos). Kurz: Hast du das Gefühl, derealisiert zu sein, bleib entspannt, es ist nur phasenweise da, hängt in der Regel mit anderen Symptomen zusammen, und wenn du das Thema angehst und dein Leben wieder richtig lebst, verschwindet auch dieses Gefühl.
Wie du den Zustand „neben dir zu stehen" einordnest und über die anderen Symptome herankommst, beschreibe ich ausführlich in meinem Buch bzw. Hörbuch „Schluss mit Symptomen" → hier ansehen.
Du fühlst dich wie neben dir und fragst dich, ob das eine Derealisation ist? Nach ärztlicher Abklärung begleite ich dich gern. In der Onlinetherapie von Bonn aus, deutschlandweit und online. Buch dir hier deinen Termin.
Bei anhaltenden Entfremdungsgefühlen gehört die Abklärung in fachärztliche Hände, Schwindel und Benommenheit lass bitte zuerst hausärztlich oder neurologisch abklären.