„Ich komme nicht ins Machen": Was tun bei totaler Erschöpfung?

Sabine hat gefragt: Was macht man, wenn Körper und Nervensystem nach zig Jahren so fertig sind, dass man gar nicht mehr ins Machen kommt? Man würde gern, ist aber sofort erschöpft, und gutes Zureden nützt nichts mehr.

Der Hintergrund ist komplex, und schwer objektivierbar

Zuerst steht die Frage nach dem Hintergrund, und der ist meist komplex, auch weil ich als Unbeteiligter kaum weiß, was im Leben eines Menschen vorgeht. Dazu kommt, dass die Psychologie noch daran forscht, wie man solche Zustände objektiv bewertet. Ein gebrochenes Bein hat klare Zeichen, eine Fraktur kann man sehen, eine Depression nicht, theoretisch könnte man sie sogar vorspielen. Deshalb lässt sich die Frage nicht pauschal beantworten. Antidepressiva wurden bei vielen oft versucht, und bei den meisten hat es nicht ausreichend geholfen, manche nehmen sie über Jahrzehnte und kommen nicht voran.

Diagnose beschreibt, sie erklärt nicht

Nicht weil jemand an einer Depression erkrankt ist, wird er depressiv. Wir gehen nach Diagnosekriterien vor, und wenn genügend erfüllt sind, sprechen wir von einer Depression. Nicht weil Sabine „eine Depression hat", ist sie kraftlos, sondern weil die Kraftlosigkeit in bestimmter Weise auftritt, kategorisieren wir es so. Diagnosen im psychiatrischen Kontext sind deskriptiv, sie beschreiben, sie zeigen selten die Ursache.

Das „merkwürdige" Detail

Bemerkenswert finde ich: Sabine kommt nicht ins Machen, kann aber Videos schauen, kommentieren und Fragen stellen. Etwas geht also. Daraus ergeben sich Fragen: Welche Dinge gehen genau nicht? Und wie kommt sie dazu zu glauben, dass sie diese Dinge eigentlich leisten müsste, vielleicht sogar ohne Vorarbeit oder aus einer Erwartung heraus, die man überprüfen sollte?

Wahrnehmung und Suggestion hinterfragen

Wenn Dinge „nicht gehen", ist das oft ein Phänomen der eigenen Wahrnehmung, die durch das Gehirn im Automatismus gesteuert wird, Stichwort selektive Wahrnehmung. So wie dein Gehirn deine eigene Nase aus dem Blickfeld herausrechnet, weil sie sich nicht verändert. Wir glauben, was unser Gehirn uns sagt. Deshalb lohnt die Frage: Ist das, was ich da innerlich höre, eine Suggestion, etwas, das ich wirklich über mich sagen möchte, oder nur der automatisierte, negative Bewertungskontext? Genau diesen negativen Glaubenssatz dürfen wir herausarbeiten.

Dazu passt mein Video „Wie entsteht ein Gefühl". Kurz zu den Begriffen: Selbstvertrauen ist nicht skalierbar, es ist an oder aus, wir vertrauen automatisch den Inhalten, die wir über uns im Kopf haben. Du sollst also nicht am Vertrauen arbeiten, sondern an diesen Inhalten. Das Selbstwertgefühl ergibt sich daraus, was du über dich mitbekommst, und wir hören den ganzen Tag die eigene Stimme, in der das automatisierte Gehirn in negativen Szenarien und Bewertungen spricht. Viele halten nicht viel von sich, das ist aber nicht ihre Meinung, sondern die des Automatismus. Selbstbewusstsein ist, wie bewusst dir ist, dass hier oben ständig Kopfkino läuft, bei dem du meist nur Zuschauer bist.

Wer dominiert dein Denken?

Sinngemäß nach Henry Ford: Ob du sagst, es funktioniert, oder es funktioniert nicht, du wirst recht behalten. Es geht darum, wach zu werden, denn wir sind meist ein Produkt unserer Gedanken. Die Frage ist, wer das Denken dominiert, das automatisch dramatisch denkende Gehirn oder du? Wenn du deine nächsten Wochen planst, planst du ja nicht, dass montags alles schiefgeht, das macht das Gehirn, nicht du bewusst. Ich glaube, dieser Kommentar wurde nicht von Sabine geschrieben, sondern von ihrem automatisch denkenden Gehirn. Wir dürfen lernen, an diesen Punkten bewusster die Glaubenssätze zu setzen, die uns helfen.

Kleine Schritte über die Komfortzone

Wahrscheinlich geht es in kleinen Schritten, sich langsam wieder in Bewegung zu bringen. Schau dir das Video zum Thema Komfortzone an: Du sollst sie nicht mit einem großen Sprung verlassen, sondern ihre Grenzen wohldosiert kennenlernen, dir eine Landkarte erstellen und sie Stück für Stück erweitern. Mein Rat: Achte auf deine eigenen Suggestionen, denn du vertraust dem, was du im Kopf hörst, egal ob es von dir kommt oder vom dramatisch denkenden Gehirn, und Letzteres ist wahrscheinlicher. Und lote die Grenzen, die dir gerade gegeben sind, aus, um sie im nächsten Schritt langsam zu vergrößern.

Wie du deine inneren Suggestionen erkennst und in kleinen Schritten wieder in Bewegung kommst, beschreibe ich ausführlich in meinen Büchern und Hörbüchern → hier ansehen.

Du kommst trotz gutem Willen nicht mehr ins Machen und möchtest daran arbeiten? Ich begleite dich in der Onlinetherapie von Bonn aus, deutschlandweit und online. Buch dir hier deinen Termin.

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