Hypochondrie: Welche Symptome sollten Sorgen machen?

Ein Zuschauer schreibt unter dem Herzphobie-Video: Ich kann nicht mehr abgrenzen, welche Symptome mir wirklich Sorgen machen sollten und wo es mein Gehirn beziehungsweise meine Psyche ist. Ich habe Angst, etwas zu übersehen. Bei starkem Herzschlag denke ich sofort an einen Fußballer, der genauso ein Symptom angab und dem nach Untersuchungen vom Leistungssport abgeraten wurde. Es sind solche Automatismen in mir, die denken, vielleicht ist es bei mir auch so.

Herzphobie ist keine Krankheit, die man heilt

Dazu zwei Dinge. Erstens ist diese Situation typisch für den Herzbereich. Wichtig ist eine Kategorisierung: Wir haben nicht einfach eine Herzphobie, an der wir erkranken und dann die Symptome bekommen, sondern aus irgendeinem Grund eine zunehmende gedankliche und körperliche Präsenz von Angstsymptomen, die man als Herzphobie beschreiben kann. Die Herzphobie ist also keine Krankheit, an der der Erkrankte die Symptome bekommt, sondern die Symptome werden als Herzphobie beschrieben. Deshalb geht es nicht darum, eine Krankheit zu heilen, damit die Befürchtung verschwindet. Du hast den Dreh schon ein bisschen raus: Bei dir sind viele problematische Gedanken präsent, die dein Körper stark verarbeitet. Auf dieser gedanklichen Ebene liegen die Ursachen, auf die dein Körper immer wieder nicht nur mit Angst, sondern auch körperlich mit Angstsymptomen reagiert.

Die Verknüpfung überschreiben

Worauf ich hinaus will, sind die Verknüpfungen. In deinem Gehirn ist es verknüpft: Du spürst eine Sensation, und zack, Fußballer. Es ist eine Brücke geschlagen, die ziemlich stabil scheint und nicht so ohne Weiteres verschwindet. Unser Kopf löscht keine Dinge, er überschreibt mit der Zeit sich wiederholende Gedanken. Wir können nicht löschen, nicht verschieben, aber überschreiben. Willst du eine neue Verlinkung, kommt sie nicht als Heilungsprozess, du erarbeitest sie dir. Das hat mit Kreativität zu tun, nicht im Sinne von Fantasie, sondern von Kreieren, Erschaffen. Definiere eine andere gedankliche Präsenz, auf die du bei der nächsten Sensation kommen willst: Wenn ich das nächste Mal eine Extrasystole spüre, denke ich zuerst an meinen nächsten Urlaub, an das Skifahren, an irgendein Thema, Hauptsache, du hast neue Verlinkungen. Es gibt nicht die eine richtige inhaltliche Verlinkung, die weniger Anspannung bringt, die gibt es nicht. Subjektiv wichtiger als das Richtige ist, dass du ins Machen kommst. Es geht um die Verlinkungen, die dein Kopf noch gespeichert hat und die noch da sind, weil du noch keine neuen dahin trainiert hast.

Nicht der erste Gedanke, die Mechanismen danach

Das Zweite hast du im Kommentar schön beschrieben. Die Problematik, die du erlebst, basiert vermutlich gar nicht so sehr auf dem initialen, ursprünglichen Gedanken, sondern auf den ganzen gedanklichen Mechanismen, die auf diese erste Sensation gefolgt sind. Deshalb ist die Frage, muss ich wegen meiner Symptome zum Arzt, meist mit Nein zu beantworten, kommt etwas Neues dazu, schau dir das Video an, jedes neue Symptom immer wieder abklären lassen. Wir gehen nicht zum Arzt wegen der Symptome, sondern wegen der Befürchtung, die unser Kopf uns dazu gibt. Versuch also nicht herauszufinden, wie du ignorieren kannst, was da passiert, sondern finde heraus: Reagierst du gerade auf den initialen Aspekt, den du als Sensation erlebt hast, oder darauf, dass die Gedanken immer wieder auf diesen ersten Moment folgen und den nächsten Weg entscheiden?

Wie du die Verknüpfungen in deinem Kopf überschreibst und zwischen Sensation und Bewertung unterscheidest, beschreibe ich ausführlich in meinem Buch bzw. Hörbuch „Schluss mit Symptomen" → hier ansehen.

Du kannst nicht abgrenzen, welche Symptome ernst zu nehmen sind, und möchtest die Automatismen überschreiben? Nach ärztlicher Abklärung begleite ich dich gern. In der Onlinetherapie von Bonn aus, deutschlandweit und online. Buch dir hier deinen Termin.

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