Gehirnwäsche und Depressionen: Wie du dich von deinen Ängsten befreien kannst
Ein Nutzer schreibt unter dem ersten Live-Therapie-Video und erzählt seine Geschichte: Diese Extraschläge merke ich jedes Mal, und wenn ich einen spüre, wird mir leicht schummrig, dann kommt die Angst, die das Ganze verstärkt. Es gibt Tage ganz ohne, und dann wieder einen Tag, der mich nervt. Vor ein paar Wochen ist jemand gestorben, der mir sehr wichtig war, und die nervliche Anspannung ist zurzeit extrem hoch, sodass ich in den letzten Wochen nicht nur einzelne Extraschläge gespürt habe, sondern Serien über etwa fünf Minuten, das ist sehr beängstigend, zumal ich an einer generalisierten Angststörung und einer Depression leide. Und er ergänzt mit einem Augenzwinkern: Ich glaube, die beste Therapie wäre eine Gehirnwäsche, naheliegend wäre Psychotherapie mit Hypnose.
Verwechsle den Krankheitsbegriff nicht mit der Ursache
Ich finde den Begriff Gehirnwäsche ziemlich passend, dazu gleich mehr. Die in Deutschland verbreitete klassische Herangehensweise baut auf einem pathologisierenden System auf: Du hast eine generalisierte Angststörung, und weil du daran leidest, bemerkst du Symptome. So war das aber gar nicht gemeint. Du hast keine generalisierte Angststörung, weshalb du dann die Symptome hast, sondern du hast verschiedene Symptome, die jemand aus Psychiatrie oder Psychotherapie als generalisierte Angststörung mit Komorbidität Depression benannt hat. Der Name ist aber nicht die Ursache. Verwechsle den Krankheitsbegriff nicht mit der Ursache.
Wenn wir überlegen, wie die Therapie einer Psyche aussehen könnte, kommen wir dazu, günstigerweise das zu therapieren, was die Ursache ist, damit wir langfristig einen Schalter umlegen. Nach einer krankheitsorientierten Sicht hieße es, du hast eine Angststörung und Depression, die muss therapiert werden. Viele gehen beim Kassentherapeuten unzufrieden wieder raus und landen irgendwann bei jemandem, der Medikamente verschreiben darf. Aber erwarte nicht, dass diese Medikamente die Ursache heilen, sie können die Symptomatik manchmal gut maskieren und vernebeln und den Eindruck vermitteln, das Störungsmuster nehme ab.
Die allermeisten Menschen, die ich begleiten durfte, haben ihre Symptomatik nicht aus einer Depression oder Angststörung heraus, sondern waren in ihrem Leben nicht glücklich, hatten nicht den Job, den sie gerne machen würden, nicht den Partner, den sie sich wünschen, waren an vielen Ecken im Kontrast zu ihrer persönlichen Integrität unterwegs. Schau dir das Video an, wie ein Gefühl entsteht: Man kann von außen nicht sehen, welche Bilder du siehst, und nicht hören, welche Befürchtungen du tagein, tagaus hörst. Ängste und Depressionsmuster sind Reaktionsmechanismen ohne Krankheitswert, ein gesundes Reagieren auf das, was im Leben eines Menschen stattfindet.
Entmystifizieren
Seit über zehn Jahren gehe ich anders an die Sache heran, und die Leute gehen glücklich wieder raus. Wenige Grundsätze sind mir wichtig, zum einen, moderne Hirnphysiologie einzubeziehen: Wir sehen Bilder vor dem inneren Auge, wir hören eine Stimme, die meist etwas Negatives, Misserfolgsorientiertes sagt. Es gibt Dinge, auf die wir Bock haben und die wir uns verbieten, Dinge, auf die wir Bock haben und nicht herankommen, und Dinge, auf die wir keinen Bock haben und die wir trotzdem ständig tun. Es ist doch kein Wunder, dass es uns so geht. Das nennt man Entmystifizieren: jemandem zeigen, es wäre eher seltsam, wenn du bei allem, was du erlebst, keine Symptomatik hättest. Wir finden fast immer eine starke Übereinstimmung zwischen Symptomatik und Leben. Und die meisten Menschen, die von einer eigenen Krankheit ausgehen, erleben eigentlich gesunde Verarbeitungsmechanismen einer gesunden Psyche.
Gehirnwäsche im positiven Sinn
Eine Gehirnwäsche ist eigentlich ein positiver Begriff, man wäscht das Gehirn. Wir glauben nicht an das, was richtig ist, sondern an das, was wir am häufigsten gehört haben. Dinge, die wir wahrnehmen, nehmen wir auch deshalb wahr, weil wir uns darauf trainiert haben, und tief verwurzelte Glaubensmuster sind nicht da, weil sie richtig sind, sondern weil wir sie oft genug gedacht haben. Manche Institutionen und Religionen arbeiten dabei durchaus mit Modellen von Angst, und das sind menschengemachte Modelle, die nicht mehr recht haben als du oder ich. Wenn Menschen in ihrem Glauben glücklich sind, ist das okay, wird ein solches Modell aber missbraucht, um anderen zu schaden, ist es das nicht.
Psychotherapie bedeutet für mich nicht, krankhafte Strukturen zu therapieren, sondern einem Betroffenen Entwicklungsprozesse aufzuzeigen und zu erklären: Die meisten Dinge, über die wir sprechen, hast du dir dahingedacht, und wenn du dir das dahingedacht hast, können wir auch etwas anderes dahindenken. Das hat mit Trainieren zu tun. Unser heutiges, symptomorientiertes Erleben entspricht einem Trainingszustand, und Therapie heißt, einen neuen Trainingsplan zu erstellen. Gehirnwäsche im positiven Sinn bedeutet, die Glaubensmuster, die wir künftig präsenter haben wollen, oft genug durchzugehen, bis sie zu automatisierten Bewertungsmustern werden. Hypnose ist dafür ein guter Grundstock, thematisiert aber nicht, wie und warum das funktioniert, und setzt meist nur wenige, einmalige Reize, das passt nicht ganz dazu, wie das Gehirn lernt.
Noch wichtiger ist, dass jeder für sich die Kompetenz und das Wissen erlebt, trainieren zu können, damit klar wird: Für deine Gesundheit bist nur du verantwortlich. Ärzte schauen sich deine Krankheiten an, aber für deine Gesundheit, vor allem deine Kopfgesundheit, bist du verantwortlich. Wenn wir das Ganze Gehirnwäsche nennen wollen, kann ich mich mit dem Begriff anfreunden.
Wie du deine Bewertungsmuster erkennst und im positiven Sinn umtrainierst, beschreibe ich ausführlich in meinem Buch bzw. Hörbuch „Schluss mit Symptomen" → hier ansehen.
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