Herzstolpern trotz 3 Kardiologen? Hypochondrie, Schwindel und Panik
Ein Zuschauer schreibt: Kann man Extrasystolen hören? Er kann das Herzstolpern am Puls spüren und wurde mittlerweile von drei Kardiologen untersucht, mit beruhigenden Befunden. Trotzdem macht es Angst, wenn es kommt, und es ist unangenehm und schmerzhaft, wenn es mal den ganzen Tag bleibt. Er möchte durch Psychotherapie lernen, nicht mehr in Angstzustände zu geraten.
Die Entlastung des Kardiologen
Die fachärztliche Abklärung neu aufgetretener Symptome macht immer Sinn. Sagt der Kardiologe, bei Ihnen ist alles in Ordnung, hat das einen entlastenden Effekt. Ein Arzt geht über ein internes Filtersystem schrittweise vor, bei einem komischen Gefühl in der Brust macht man nicht als Erstes ein Katheterlabor, sondern zieht die einfachsten, nichtinvasiven Methoden vor: Puls, Blutdruck, EKG, vielleicht ein 12-Kanal-EKG, einen Ultraschall der Klappen, mit einem moderneren Gerät auch die Halsschlagadern per Doppler, weil der Zustand der Gefäße im Hals Rückschlüsse auf den Rest gibt und man sicherstellen will, dass das Gehirn gut durchblutet wird. Kardiologen sind darin eigentlich schon ganz gut.
Dass du nach dem ersten unsicher zum zweiten und jetzt zum dritten Kardiologen gehst, deutet für mich auf den typischen Kontext der Schwindel-, Panik- und Benommenheitssituationen hin, und damit auf die Frage, wie du lernst, deinen Fokus wieder auf andere Dinge zu richten. Der Arzt kann nie ganz schwarz-weiß sagen „Sie sind gesund, Sie müssen sich nicht wohlfühlen", und dieses Argument zieht in unserer Psyche nicht, das ist völlig normal. Wir glauben nicht an das, was richtig ist, sondern an das, was wir am häufigsten gehört haben.
Was du über Extrasystolen wissen darfst
Bis zu 20.000 Extrasystolen am Tag sind noch nicht behandlungspflichtig. Was du zu spüren glaubst, hat vielleicht gar nichts direkt mit dem Herzschlag zu tun oder ist nur damit assoziiert. Und während eine Extrasystole in der Regel spürbar ist, wird bei einigen wenigen Patienten auch die Füllungsphase danach wahrgenommen, worauf man sich dann beschränkt, und das löst schlechte Gefühle aus. Da bin ich bei euch, und wir überlegen in diesen Videos, was ihr tun könnt, damit ihr nicht nur gesund seid, sondern euch auch wohler fühlt.
Nicht die Angststörung macht die Symptome
Wenn der Arzt entlastet und die Problematik bleibt, bist du einer von vielen, deren Mechanismen wir genauer anschauen und umtrainieren. Auf eine Wahrnehmung folgt in der Regel eine automatische, dramatisch-negative Bewertung deines Gehirns, und lässt du die so stehen, ist das die Grundlage für Ängste, Angststörungen, hypochondrische Grundmuster und Verankerungen. Du hast eine Assoziation, ein verkrampfter Muskel macht einen „Flop", und du steckst sofort in der Symptomatik. Wir denken am Tag 60.000 Gedanken, von denen nur rund 3000 neu sind, deshalb müssen wir die Ursachen nicht in der Kindheit suchen. Nach hinten zu schauen erklärt vieles, aber es geht darum, nach vorne zu schauen. Morgen wird im Prinzip wie heute, wenn du heute keine Unterschiede einbaust.
Die Symptome sind relativ typisch für Panik und Angststörung, aber nicht, weil du eine Angststörung hast, hast du die Symptome, sondern die Symptome sind Ausdruck trainierter Denkmuster.
Der Trainingsplan
Was macht die Angst? Je nach Trainingszustand spürst du mit der Zeit nur noch über eine Verankerung, du denkst aus heiterem Himmel daran, oder etwas erinnert dich, und die Angst ist direkt da. Angst heißt, dass wir innen etwas Bedrohliches erleben und oder körperlich etwas kommt, und mit der Zeit reagieren wir fast nur noch körperlich schnell mit Angst. Ich gehe das weniger über körperorientierte Übungen an, für mich ist der Punkt, dass es über die automatisierte Bewertung entstanden ist und man nicht gelernt hat, einzugreifen. Schau dir das Video an, wie ein Gefühl entsteht. Selbstbewusstsein heißt hier, wie bewusst bin ich mir, ob ich als passiver Zuhörer nur aufnehme, was mein Kopf sagt, oder ob ich eingreife. Dein Kopf denkt doch, was du willst. Das bedeutet nicht, jeden Moment deine Gedanken zu kontrollieren, sondern dir immer mal wieder deiner Gedanken bewusst zu werden und dann einzugreifen oder zu ergänzen, ein regelrechter Trainingsplan, wie wir ihn für Muskeln auch brauchen.
In Stresssituationen hast du schwerer Zugang, dann stehen wir unter Strom mit all den Stresshormonen. Aber es gibt genügend symptomfreie Intervalle, in denen das Problem schwächer ist, und dort darfst du anfangen, Gedanken auszusäen, wir ernten, was wir säen. Wir brauchen einen Trainingsplan, weil du keinen Bock aufs Trainieren hast, auch wenn es hilft, das Gehirn sagt, wir haben überlebt und konnten uns reproduzieren, warum etwas ändern. Das Ziel des Gehirns ist nicht, dass du lang gesund und glücklich lebst, sondern dass du überlebst. Wir müssen lernen, einzugreifen und zu ergänzen, nicht weil wir uns danach fühlen, sondern damit wir uns danach anders fühlen können. Wichtiger als der Inhalt ist die Struktur.
Nicht abschalten, anschalten
Nach der Abklärung lohnt ein Ansprechpartner, der das detailliert und positiv mit dir aufarbeitet. Und ein wichtiger Punkt: Du hast die Freigabe zum Refokus. Der Arzt sagt, du bist gesund, also hast du die Freigabe, den Fokus auf andere Dinge zu richten. Wie? Distanz kommt nicht aus der Distanz. „Denk jetzt nicht an einen rot-weiß geringelten Leuchtturm", und zack ist er da. Versuchst du, nicht an die Herzthematik zu denken, kommt sie erst recht hoch. Distanz kommt aus Nähe zu Neuem. Im Rettungsdienst habe ich gelernt, immer das Nächste zu 100 Prozent groß zu machen, auch nach einer erfolglosen Reanimation geht es zum Nächsten weiter. Wir sollten uns nicht aufs Abschalten trainieren, das geht nicht, dir geht es nicht schlecht, weil du zu schlecht abschaltest, es geht ums Anschalten. Refokussierung heißt, andere, unverfängliche Gedanken groß zu machen.
Jedes Mal, wenn im Alltag die Herzthematik hochkommt, richte den Fokus bewusst auf etwas anderes, nicht damit der Fokus nicht mehr beim Herzen ist, sondern damit er auf dem anderen ist. Was das ist, musst du für dich überlegen. Ein Berufstätiger kann sich etwa einem Arbeitsproblem zuwenden, nach einer Lösung suchen, Notizen machen. Bleibt der Fokus beim Problem, wird es nicht besser, und argumentativ „ich bin gesund" allein führt nicht dazu, dass es dir besser geht. Aber schaffst du es, den Fokus auf etwas anderes zu richten, baust du langsam Sicherheit und Stabilität auf, auf der weitere Erfolge aufbauen. Distanz kommt aus Nähe zu Neuem, und abschalten bedeutet nicht abzuschalten, sondern Neues anzuschalten.
Wie du den Trainingsplan aufstellst und die Refokussierung einübst, beschreibe ich ausführlich in meinem Buch bzw. Hörbuch „Schluss mit Symptomen" → hier ansehen.
Drei Kardiologen sagen gesund, und trotzdem bestimmt das Herzstolpern deinen Tag? Nach ärztlicher Abklärung begleite ich dich gern. In der Onlinetherapie von Bonn aus, deutschlandweit und online. Buch dir hier deinen Termin.