Herzneurose nach Herzinfarkt: Schwindel, Panik und Benommenheit
Markus schreibt mir: Ich habe seit 1986 eine Angst- und Panikstörung, alles fing nach dem Herzstillstand 1986 an. Ich habe auch einen angeborenen Klappenfehler, wodurch sich eine Herzphobie entwickelt hat, weil ich viel in mich hineinhöre. Zurzeit leide ich unter Extrasystolen, Bigeminus und Sinustachykardie. Wenn sie auftreten, bekomme ich sofort Panik und denke, jetzt bleibt gleich alles stehen und es ist aus. Ich nehme seit 2005 Betablocker gegen die Sinustachykardie, aber manchmal helfen sie nicht mehr. Ihre Videos helfen, aber ich habe das Gefühl, bald ganz unterzugehen.
Lieber Markus, das hört sich wirklich nicht gut an, das Leben ist manchmal ziemlich hart zu uns Menschen.
Krankheit ist immer ein Bestandteil
In der Notfallrettung habe ich viele solcher Schicksale gesehen. Das Bild von einer intakten Gesellschaft und gesunden Menschen, das wir indirekt mitbekommen, stimmt so nicht. Ich habe schnell gelernt: Wir gehen unbedacht durch eine Straße, aber in fast jedem Haus gibt es ein medizinisches Schicksal, bei dem das Leben nicht so läuft, wie es könnte. Krankheit und Dramatik sind immer ein Bestandteil. Die Krankheit ist nicht weg, wenn Gesundheit da ist. Gesundheit ist nicht der Zustand, dass Krankheit keinen Platz hat, Gesundheit bedeutet Anwesenheit von Krankheit, ist ihr aber im Ganzen einen Schritt voraus. Und Glück heißt nicht die Abwesenheit negativer Gedanken.
Zum Herzthema
Ein Bigeminus gehört nicht zu den ganz schlimmen Herzrhythmusstörungen und ist in der Regel medikamentös gut handhabbar. Du wirst in den letzten Jahren kardiologisch fortwährend gut gefiltert worden sein, und man kann das gut handhaben, sodass es nicht erneut ausbricht. Trotzdem ist verständlich, dass Ängste ins Leben kommen. Die heutige Medizin ist auf Überleben und Funktionsfähigkeit ausgelegt und seit etwa 20 Jahren so aufgebaut, dass ein Krankenhaus bei den Symptomen auch schaut, was sich abrechnen lässt, nicht nur, was dir unbedingt hilft.
Unter dieser Betrachtung: Es gibt unzählige Menschen mit psychischen Störungsmustern, denen es tagein, tagaus schlecht geht. Wir haben im System keine Garantie, dass es uns gut geht. Du gehst ins Krankenhaus, kommst raus, psychisch, ein Kopfthema, gehst in eine Psychiatrie und machst erst mal große Augen. Irgendwann merkst du, es liegt an dir selbst. Wir haben, auch in einer modernen Industrienation, mehr Kranke als Gesunde. Ist das die Schuld der Ärzte, der Krankenhäuser, der Psychiatrien, der Psychotherapeuten?
Warum ich keine Karriereleiter steige
Vor einigen Jahren wurde mir bewusst, dass dieses Karriereleitermäßige nichts für mich ist. Ich habe viele Führungskräfte erlebt, die wie Roboter aufsteigen, das Ankommen ist bei ihnen meist das Ausscheiden aus dem Arbeitsleben, durch Rente oder Tod. Ich investiere lieber Zeit in mich selbst, in meine Familie, in Erlebnisse, in Dinge, die sich die meisten nicht nehmen und dann über psychische Kopfkrankheiten klagen, weil sie nicht wissen, dass es Wege an der Karriereleiter vorbei gibt. Von einer Karriereleiter bekommen wir nichts zurück.
Jede Depressionsstruktur, Traumastruktur, Panikstruktur, Schwindelstruktur kann ich nachvollziehen, ich habe das alles erlebt, ich bin ein ganz normaler Durchschnittstyp und habe auch einen Sympathikusnerv. Ich habe Menschen mit Herzinfarkt sterben gesehen, unter meinen eigenen Händen sterben gespürt. Es gibt einen Film, den ich zum Thema passend finde, er heißt Angsthasen, es geht darum, dass jemand eine finale Diagnose und eine Veränderung seiner angstbezogenen Symptomatik erlebt.
Dein Kopf ist kein Abbild deines Herzens
Wir sind durch Gesellschaft, Vorbilder und Eltern in einer Vorannahmenwelt konstruiert worden, in der wir gar nicht hinterfragen, ob wir die nächsten zwei Minuten überleben. Und wenn wir es hinterfragen, dann dramatisch, was ist, wenn ich morgen tot bin. Woher nehme ich die Sicherheit, dass ich das Ende dieses Videos lebend erreiche? Kann ich nicht wissen, aber ich habe in meinen Gedanken oft genug verarbeitet, dass das Thema Sterben weit hinten ist. Unsere Gedanken sind kein Abbild unserer organischen Vorgänge. Du hast keine Garantie, dass du bald einbrichst, nur weil es in deinem Kopf so ist. Könnte dein Kopf wirklich die Zukunft zeigen, empfehle ich Lotto. Wir können nicht in die Zukunft schauen, der beste Weg, sie vorherzusagen, ist, sie zu erfinden.
Die zentralen Punkte
Wärst du mit mir im Gespräch, kämen wir auf wenige Punkte. Erstens: Unser Gehirn verarbeitet Informationen bildhaft oder auditiv. Zweitens: Es denkt immer in Befürchtungsmustern und läuft von allein, weil es darauf gebaut und bei den meisten trainiert ist. Drittens: Wir dürfen lernen, unsere Befürchtungsmuster über die Wahrnehmungskanäle zu erkennen, was fürchte ich, was ist, wenn mein Herz den Geist aufgibt und ich übermorgen tot bin. Das dürfen wir aufschreiben, wir müssen lernen, unsere Sorgen und Befürchtungen aufzuschreiben, um Ruhe hineinzubekommen, eine andere Perspektive und einen lösungsorientierten Modus. Und in diesem Modus darfst auch du anfangen, deine Zukunft zu kreieren. Jeder Mensch lebt gefühlsmäßig in die Zukunftsperspektive hinein, die er sich im Kopf konstruiert hat. Auch für dich gibt es Wege, täglich Gedanken zu trainieren, die dich ein Stück weg von der Erwartungsangst und mehr in Richtung eines wieder glücklichen Lebens bringen.
Wie du deine Befürchtungsmuster erkennst und deine Zukunft kreierst, beschreibe ich ausführlich in meinem Buch bzw. Hörbuch „Schluss mit Symptomen" → hier ansehen.
Nach einem Herzereignis beherrscht dich die Angst bei jedem Herzstolpern? Die kardiologische Begleitung bleibt bei deinem Arzt, an den Denkmustern arbeiten wir gemeinsam. In der Onlinetherapie von Bonn aus, deutschlandweit und online. Buch dir hier deinen Termin.