Herzstolpern ohne Befund: Warum du die Extrasystolen plötzlich ständig spürst
Ein Zuschauer schreibt: Ich habe seit einem Jahr richtig viele Extrasystolen, im EKG waren es 8000, und ich denke, dass ich täglich genauso viele habe, weil ich sie spüre, sie sind immer da. Mein Herz wurde kontrolliert, ohne Befund. Ich hatte ein Jahr lang Stress. Die Ärzte sagen, mein Herz sei gesund und ich solle keine Angst haben. Aber wenn man im Internet liest, dass man davon einen plötzlichen Herztod bekommen kann, macht einem das zu schaffen. Dazu kommt ein Schwindel ohne Befund, und ich bin wirklich am Ende.
Da gehen wir Schritt für Schritt durch.
Meist eine Stresshormonbelastung
Du beschreibst eine Symptomatik, die bei uns Menschen relativ häufig auftritt. Eine Panikneigung ist mit dabei, nicht unbedingt als isolierte Panikstörung im Sinne einer Krankheit, sondern als der Zustand, der die Basis einer Panikstörung bildet: dass du täglich ein hohes Maß an Stresshormonausschüttungen erlebst, die dir das Leben gerade schwer machen.
Dieses hohe Maß an Stresshormonen kann zu vielfältigen Symptomen führen. Durch die Pulsbeschleunigung, in Kombination mit oder auch einzeln durch eine latente Hyperventilation, wird die Sauerstoffversorgung im Gehirn ganz leicht heruntergefahren. Das ist völlig ungefährlich, ein ganz normaler Reaktionsmechanismus, aber der Körper lässt uns ein Symptom spüren, das in der Bewertung sehr unangenehm ist. Aus derselben Stresshormonbelastung kann ein Schwankschwindel entstehen, es können Roemheld-Zustände auftreten, bei manchen bricht Panik aus, bei anderen resultiert eher eine diffuse Angststörung. In deinem Fall haben wahrscheinlich verschiedene Faktoren dazu beigetragen, dass du gerade eine gewisse Vulnerabilität hast, also wie leicht dich eine Symptomatik erwischen kann, etwa Unzufriedenheit in unterschiedlichen Lebensbereichen.
Warum die Wahrnehmung entscheidend ist
Die körperliche Symptomatik ist ein typischer Stressreaktionsmechanismus: Du reagierst mit Stresshormonausschüttung immer wieder auf Stressoren. Entscheidend ist aber auch die Wahrnehmung der Extrasystolen selbst. Häufig spielen eine erhöhte Introspektionsneigung und eine niedrig gesetzte Wahrnehmungsschwelle eine Rolle, sodass du gerade stark dazu neigst, bestimmte Dinge sehr schnell zu bemerken.
Wenn du ärztlich gut abgeklärt bist und keine organische Erkrankung vorliegt, ist am ehesten davon auszugehen, dass du dir antrainiert hast, deine Extrasystolen wahrzunehmen. Du hast mit der Zeit gelernt, ihrer Wahrnehmung einen gewissen Raum einzuräumen. Diese, sagen wir 8000 Extrasystolen, die du am Tag spüren könntest, sind aus kardiologischer Sicht mehr oder weniger irrelevant. Es gibt keinen anderen Befund, du brauchst dir keine Sorgen zu machen, und die Aussage der Ärzte lautet: keine Angst davor.
Was du tun kannst
Das ist leichter gesagt als getan. Vielleicht gehst du einmal in dich, dazu passt das Video „Wie entsteht ein Gefühl", in dem die entscheidende Verarbeitungsebene im Mittelpunkt steht: Was sehen und hören wir innerlich an Verarbeitungsmechanismen? Welche Themen dich genau ärgern, kann ich nicht mit der Glaskugel bestimmen, das darfst du selbst herausfiltern. Und ich verlinke dir ein weiteres Video dazu unten. Denn wenn wir es schaffen, in unserer Wahrnehmung das Spüren der Extrasystolen zurückzufahren, dann schaffen wir es auch, andere Dinge neu zu antrainieren.
Wie Stress, Wahrnehmung und die Angst vor körperlichen Symptomen zusammenhängen und wie du daran arbeitest, beschreibe ich ausführlich in meinem Buch bzw. Hörbuch „Schluss mit Panik" → hier ansehen.
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