Gesundheit, Glück, was wirklich trägt: Worauf es jenseits der Symptome ankommt
Lange dreht sich alles um die Symptome. Sie sollen weg, und solange sie da sind, scheint an Lebensqualität nicht zu denken. Doch je verbissener Du nur auf das Verschwinden der Beschwerden schaust, desto enger wird Dein Blick. In diesem Kapitel weiten wir ihn wieder. Es geht um die Frage, was Gesundheit wirklich bedeutet, warum die Jagd nach dem perfekten Zustand unglücklich macht und was einem Menschen tatsächlich Halt gibt.
Was Gesundheit wirklich bedeutet
Wir setzen Gesundheit oft mit der Abwesenheit von Symptomen gleich. Doch kein Mensch ist je völlig frei von Beschwerden, Schwankungen oder unangenehmen Empfindungen. Wer Gesundheit so definiert, wird sie nie erreichen und bleibt in einem ständigen Mangelgefühl gefangen.
Gesundheit ist weniger ein makelloser Zustand als eine Fähigkeit, nämlich die Fähigkeit, mit dem umzugehen, was das Leben bringt. Ein gesunder Mensch ist nicht der, dem nie etwas fehlt, sondern der, der nicht bei jeder Empfindung in Alarm gerät und wieder ins Gleichgewicht findet. Diese Verschiebung der Definition ist eine enorme Entlastung, denn sie nimmt Dir das unerreichbare Ziel der völligen Beschwerdefreiheit und ersetzt es durch etwas Erreichbares.
Warum die Jagd nach dem perfekten Zustand unglücklich macht
Wer das Glück an eine Bedingung knüpft, etwa erst wenn die Symptome weg sind, kann ich wieder leben, verschiebt es in eine Zukunft, die so nie eintritt. Der Fokus liegt dann dauerhaft auf dem, was fehlt, und genau dieser Fokus erzeugt Unzufriedenheit. Energie folgt der Aufmerksamkeit, und Aufmerksamkeit auf den Mangel lässt den Mangel wachsen.
Das heißt nicht, dass Du Deine Beschwerden schönreden sollst. Es heißt, dass das Leben nicht erst nach ihrem Verschwinden beginnt. Glück ist seltener ein Ziel, das man erreicht, als eine Art, den Weg zu gehen. Wer darauf wartet, dass erst alles stimmt, wartet ein Leben lang. Wer dagegen lernt, auch mit Unvollkommenem Sinnvolles zu tun, findet Zufriedenheit nicht trotz, sondern mitten in einem unfertigen Leben.
Was wirklich trägt
Wenn nicht die Symptomfreiheit das Fundament ist, was dann? Es sind die Dinge, die einem Leben Bedeutung geben. Tragfähige Beziehungen, in denen Du gesehen wirst. Eine Aufgabe, die größer ist als Du selbst und Dir das Gefühl gibt, gebraucht zu werden. Werte, nach denen Du lebst, sodass Du mit Dir im Einklang bist. Und Momente der Dankbarkeit für das, was bereits da ist.
Genau hier schließt sich der Kreis zu der persönlichen Integrität, von der schon früher die Rede war. Wer gegen die eigenen Bedürfnisse lebt, erzeugt ein Grundrauschen an Unbehagen, das jede Anspannung verstärkt. Wer dagegen das pflegt, was ihn trägt, gibt seinem Nervensystem den tiefsten Grund zur Ruhe. Diese Säulen sind kein netter Zusatz zur Symptomarbeit, sie sind ihr Fundament.
Vom Kampf gegen die Symptome zum Aufbau eines Lebens
Solange Dein ganzes Tun darauf ausgerichtet ist, etwas wegzubekommen, bleibst Du an das Problem gebunden. Du drehst Dich um das, was Du loswerden willst, und hältst es damit im Zentrum. Heilsamer ist die Gegenbewegung, also nicht in erster Linie gegen die Symptome zu kämpfen, sondern ein Leben aufzubauen, das Dich trägt.
Das ist kein Verdrängen und keine Flucht. Es ist eine Verlagerung des Schwerpunkts. Du kümmerst Dich weiter um Deine Gesundheit, aber Du machst sie nicht zum einzigen Inhalt Deines Lebens. Je mehr Raum das Tragfähige bekommt, desto kleiner wird der Platz, den die Angst einnehmen kann. Oft verlieren die Symptome gerade dann an Bedeutung, wenn Du aufhörst, sie zum Mittelpunkt zu machen, und anfängst, Dein Leben zu füllen.
Das Wichtigste auf einen Blick: Gesundheit ist nicht die Abwesenheit von Symptomen, sondern die Fähigkeit, mit ihnen und mit dem Leben umzugehen. Die Jagd nach dem perfekten Zustand macht unglücklich, weil sie den Fokus dauerhaft auf den Mangel richtet. Was wirklich trägt, sind Beziehungen, Sinn, Werte und das Leben im Einklang mit sich selbst. Und je mehr Du ein tragfähiges Leben aufbaust, statt nur gegen Symptome zu kämpfen, desto kleiner wird der Raum, den die Angst einnehmen kann.
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Vielleicht erkennst Du Dich in dem wieder, was Du gerade gelesen hast. Symptome wie diese haben einen Grund. Und es gibt einen Weg, mit ihnen anders umzugehen.
In meiner Praxis in Bonn oder online begleite ich Menschen mit psychosomatischen Symptomen seit 2011. Über 17.000 Sitzungen, über 1.500 begleitete Klientinnen und Klienten.
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