Es gibt nur ein Muster hinter all deinen Befürchtungen: Szenarien
Ich wollte euch schon länger ein neues Modell zeigen, und passend kam ein Kommentar zum Thema Tiefenpsychologie: Ich würde zustimmen, dass die Bedeutung der Gedanken erst mal egal ist. Kann die Suche nach den Gründen der Gedanken nicht helfen, ein persönliches Muster zu erkennen, an dem man dann arbeiten kann? Ja und nein.
Mach, was funktioniert
Wenn du über die Tiefenpsychologie Antworten und persönliche Muster suchen willst, versuch es und nimm, was du kriegen kannst. Was funktioniert, ist in aller Regel nicht verkehrt. So sehe ich es auch bei Homöopathie, Akupunktur oder EFT: Wenn ihr dafür gern Geld investiert und es euch hilft, wunderbar. Aber es wäre schön, wenn medizinischer Fortschritt auf dem subjektiven Erfolg Einzelner aufbauen würde, so funktioniert Medizin nicht. Wir wollen eine Medizin, die vorhersagbar bei allen wirkt, nicht nur bei kleinen Peergroups.
Als Randnotiz: Unter Tinnitus-Videos lese ich oft Kommentare wie, das sei alles Quatsch, es sei immer der Atlaswirbel, und wenn der gerichtet werde, sei alles gut. Der Punkt ist: Wer sein Problem gelöst hat, warum guckt er dann noch die Videos und diskutiert mit? Wenn es hilft, versuch es, aber mach dann für dich auch mal den Deckel drauf.
Warum Tiefenpsychologie hier kaum hilft
Meine Antwort tendiert zum Nein. Ein Ansatz wie die Tiefenpsychologie, aber auch andere, hilft dir kaum, die Bedeutung deiner Gedanken herauszuarbeiten, um dein persönliches Muster zu finden. Denn es gibt nur ein Muster, das all diese Befürchtungen erklärt, und es ist ein einziges Wort: Szenarien. Es ist immer die gleiche Kiste.
In Befürchtungstabellen schreibt ihr in Spalte A euren konkreten Befürchtungsgedanken, nicht „ich habe Zukunftsängste", sondern „ich habe gesehen, wie ich im Krankenhaus liege, krank bin und sterben muss". So denkt unser Gehirn, in Bildern und inneren Stimmen. Und dann die provokante Frage: Was will ich mit euren Befürchtungen? Der eine hat Angst, verlassen zu werden, der andere Angst um seine Kinder, viele Angst vor einer Panikattacke auf der Autobahn. Mit der konkreten Befürchtung kann ich dir kein besseres Werkzeug geben, als ich dir sowieso geben würde, denn die Befürchtung baut immer auf demselben Mechanismus auf: den Szenarien. Dein Kopf nimmt deine persönlichen Erlebnisse, stellt sie sich gefährlich und auf die eigene Person bezogen vor, was ist passiert, was könnte passieren, und zack hast du deine Befürchtung.
Der Mechanismus ist also immer derselbe. Der Inhalt und die Eskalationsstufe sind nur ein Hinweis darauf, was du in deinem Leben erlebt hast. Deshalb brauche ich deine Befürchtungen gar nicht isoliert, ich kann daraus keinen Mehrwert ziehen, ich lese auch kein Tagebuch, da gibt es nicht viel zu deuten.
Was du wirklich brauchst
Die Architektur hinter Ängsten, Bildern und inneren Befürchtungen basiert größtenteils auf derselben, gesunden Eigenschaft deines Kopfes: deine erlebten Inhalte noch einmal gefährlich und auf die eigene Person übertragen zu erleben. Schau dir dazu das Video „Szenarien" an, im Live-Therapiegespräch zeige ich den Mechanismus.
Das persönliche Muster, das dich betrifft, haben wir also bereits gefunden: dass dein Kopf in Szenarien denkt. Dafür brauchst du keine Tiefenpsychologie und keine Psychoanalyse, sondern ein bisschen Hirnphysiologie und Hirnforschung. Bemerkenswert: Zum heutigen Stand ist die Hirnforschung in keinem der kassenzugelassenen Psychotherapieverfahren ein essenzieller Bestandteil, dort arbeitet man mit evidenzbasierter Psychologie, die in der Vergangenheit oft als doppeldeutig erkannt wurde. Jeder Ansatz ist eine Idee, an deine Gedanken heranzugehen, nicht die Wahrheit, auch meiner nicht. Aber wenn du dich so damit beschäftigst, kommst du wirklich in die Veränderung. Für den Beginn brauchst du nicht mehr, als zu verstehen: Das sind nur Szenarien, das ist gesundes Denken.
Wie das Szenario-Denken funktioniert und wie du damit arbeitest, beschreibe ich ausführlich in meinem Buch bzw. Hörbuch „Schluss mit Symptomen" → hier ansehen.
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