Einblicke in die Traumatherapie bei Symptomen wie Schwindel, Panik und Benommenheit
Angel schreibt: Ich habe eine PTBS, eine posttraumatische Belastungsstörung, und eine Dissoziationsstörung, bin durch Therapien einigermaßen durchgekommen, bin jetzt über zwei Jahre in Therapie, die aber bald zu Ende geht, und bin froh, diesen Kanal gefunden zu haben.
Wann eine Therapie enden sollte
Dieses Thema finde ich immer schwierig. Jemand schreibt mir, in einer Therapie geht es nicht wirklich voran. Dass der Therapeut gute Fortschritte, Compliance und eine gute Prognose an die Kasse schreibt, freut uns alle, aber wenn der Patient es nicht so sieht, ist das für die Betroffenen schwierig. Eine Therapie sollte nicht enden, weil die Kasse sagt, die 25 oder 50 Sitzungen sind aus, sondern wenn sie geholfen hat. Das große Problem heute ist, Therapeuten zu finden, die wirklich konsequent und gut helfen können.
Die Basis: wie entsteht ein Gefühl
Schau dir das Video an, wie ein Gefühl entsteht, das ist für uns immer eine wichtige Kommunikationsbasis. Unsere Hauptwahrnehmungskanäle für die Gefühlsverarbeitung sind Bilder (vom Auge) und die innere Stimme. Für jeden Klienten ist die Grundlage zu verstehen: Ich habe nicht Angst vor dem, was um mich herum passiert, sondern vor dem, was ich auf meiner inneren Verarbeitungsebene verarbeite, Bilder und Bewertungsmechanismen.
Interessant: Etwa zweimal im Jahr kommen kassenzugelassene Kolleginnen und Kollegen zu mir. Ich gehe mit ihnen in eine Methode, die sie oft noch nie gehört haben, im Psychologiestudium und in der Kassenausbildung wird nicht gelehrt, dass man in Bildern und inneren Stimmen denkt und damit beim Patienten arbeitet. Manche sind 30, 40 Jahre als Kassentherapeut tätig und merken dann, dass ihnen diese Ebene gefehlt hat. Ängste sind in der Regel nicht inadäquat, sondern logisch nachvollziehbar, nur nicht bezogen auf das, was andere sehen können, sondern auf die innere Verarbeitung.
Trauma: der Zeitraum vorher und nachher
Trauma ist eine sehr komplexe Angelegenheit. Traumapatienten wollen oft zuerst über ihr Traumaerlebnis sprechen, und ich verarbeite das (sehe Bilder) automatisch mit. Eine alte Rettungsdienst- und Feuerwehrweisheit lautet, was ich nicht sehe, muss ich nicht verarbeiten, das halte ich hoch. Mir ist wichtig, auch Traumapatienten zuerst die Bilder und inneren Stimmen aufzuzeigen, die sind für die Traumakomponente mit die wichtigsten.
Es gibt einen Zeitraum vor dem Trauma, das traumatisierende Ereignis (ein Moment oder eine Entwicklung) und den Zeitraum, in dem du heute steckst. Ob etwas traumatisiert, ist ein individueller, subjektiver Prozess, man misst es am Vergleich zu vorher. Nach dem Trauma hat der Betroffene andere Bilder und andere auditive Verarbeitungs- und Bewertungsmechanismen als vorher, wo vorher bestimmte Bilder und Spuren waren, sind nun Bilder von Trauma, Zukunft, Belastung und Befürchtung präsent, und Dinge von früher sind nicht mehr da.
Warum es keine Garantie-Werkzeuge gibt
Kommt jemand und will „mein Trauma verarbeiten", haben wir das Problem, dass verlässliche Verarbeitungswerkzeuge fehlen. Manche nennen sofort EMDR, gucken Sie auf meinen Finger und denken Sie an bestimmte Bilder, da steckt mehr dahinter, aber es ist nicht ausreichend qualifiziert und erforscht. Niemand kann sagen, das funktioniert mit dieser Garantie, und wenn jemand dir damit helfen kann, geh den Weg. Wir können Dinge nicht gezielt verarbeiten, und man weiß, es funktioniert auch ohne die Fingerbewegungen.
Für mich steht die Frage im Fokus: Woher weiß man, dass man etwas verarbeitet hat? Über Kontrast und Vergleich für die innere Wahrnehmung: Jemand hat sein Trauma erfolgreich verarbeitet, wenn bestimmte Bilder und innere Strukturen da und andere abwesend sind. Wir wollen mehr Wissen und Kontrolle über diese zugrunde liegende Landschaft, um den Klienten mehr und mehr zu einem gewünschten neuen Zustand zu bringen und das Trauma hinter sich zu lassen.
Nicht das alte Leben, sondern Leben 2.0
Häufig heißt es, ich hätte gern mein altes Leben wieder. Zu Antidepressiva nur kurz: Ich bin nicht grundsätzlich dagegen oder dafür und arbeite mit der Fachpsychiatrie zusammen, einen Kumpel mit Praxis in meiner Nähe, dorthin verweise ich, denn eine seriöse Empfehlung braucht Zeit und Kompetenz. (Entscheidungen zu Medikamenten triffst du immer mit dem verschreibenden Arzt, auch das Absetzen.) Wichtig ist mir die Haltung: Kommt jemand und sagt, ich brauche mehr Energie, frage ich, Energie wozu, um das alte Leben zu leben? Sie sitzen nicht hier wegen Ihres alten Lebens. Wir Menschen sind mit unserem Körper nicht dafür gebaut, in dieser Gesellschaft gut zu funktionieren, und ein Medikament hineinzuwerfen, um sich wieder in den Funktionsmechanismus zu schmeißen, funktioniert für die Zeit der Einnahme vielleicht, bricht aber irgendwann wieder ein. „Ich nehme seit 30 Jahren Antidepressiva, irgendwann muss die Depression doch geheilt sein", macht eine Depression depressiv? Schau dir das Video dazu an. Nicht weil du an einer Depression erkrankt bist, hast du die Symptome, sondern wenn du bestimmte Angst- und Depressionsmuster erfüllst, kann man die Diagnose stellen.
Deshalb: Wir arbeiten uns nicht zum alten Leben zurück, sondern zu einem Leben 2.0, einer neuen Version, das gilt für Trauma- wie Depressionspatienten. Wir brauchen einen neuen gewünschten Zustand, auf den wir hintrainieren, den wir glauben erleben zu können, wenn das Trauma verarbeitet ist. Da uns die „Garantie"-Werkzeuge fehlen, funktioniert es sogar häufig besser, auf dieses neue Leben hinzuarbeiten, das sich nicht nur vom Traumaeinfluss, sondern womöglich auch vom Zeitraum davor distanziert. Aus der empirischen Psychologie gibt es Hinweise, dass Traumatisierte vorher schon tendenziell in gewissen Denkmustern unterwegs waren, die ein Festsetzen des Traumas begünstigt haben, man spricht von einer gewissen Vulnerabilität.
Deshalb ist es richtig, in einer Traumatherapie hin und wieder zu hinterfragen: Funktioniert das so, wie ich es gern hätte? Im Zweifel dem Therapeuten auf den Zahn fühlen: Es geht nicht weiter, die Sitzungen laufen aus, was machen wir? Der Traumatherapeut hat die Aufgabe, dir bei dem Trauma zu helfen. Beschäftige dich auch mit der hier dargestellten Herangehensweise und schau, wo du stehst. Es ist ein komplexes Modell, jeder Mensch, jede Geschichte ist anders, aber gerade mit dem ersten Video, wie ein Gefühl entsteht, lohnt es, zu verstehen: Hier oben ist eine komplexere Landschaft, auf die man vielleicht noch nicht näher eingegangen ist.
Wie du vom „alten Leben" zu einem gewünschten Leben 2.0 hinarbeitest, beschreibe ich ausführlich in meinem Buch bzw. Hörbuch „Schluss mit Symptomen" → hier ansehen.
Deine Traumatherapie läuft aus, und du fragst dich, wie es weitergeht? Ich begleite dich gern, achtsam und in deinem Tempo. In der Onlinetherapie von Bonn aus, deutschlandweit und online. Buch dir hier deinen Termin.