Bluthochdruck und die Angst davor: Was du wirklich wissen musst

Eine häufige Frage aus den Kommentaren dreht sich um Bluthochdruck. Oft ist es so wie bei einer Patientin, bei der irgendwann ein erhöhter Blutdruck festgestellt wurde, ohne vorher Probleme damit gehabt zu haben. Gerade Frauen sind häufiger bei Routineuntersuchungen als Männer, dadurch fällt so etwas oft früher auf.

Was der Blutdruck überhaupt aussagt

Man teilt Blutdruckwerte zum Beispiel nach WHO oder New York Heart Association ein. Lange galt 120 zu 80 als optimal. Der systolische Wert (120) beschreibt, mit welchem Druck die linke Herzkammer das Blut ins arterielle System treibt, der diastolische Wert (80) den Restdruck im geschlossenen Gefäßsystem, wenn das Herz gerade nicht auswirft. Die Gefäße halten dabei dagegen, anders als ein Ballon.

Für Angst-, Schwindel- und Benommenheitspatienten ist das Thema deshalb interessant, weil oft die Befürchtung mitschwingt, es könnte am Blutdruck liegen. Häufig steckt aber gar nicht der Kreislauf dahinter, sondern zum Beispiel der Bauch, etwa ein Roemheld-Syndrom, bei dem Verdauungsbereiche von unten Richtung Herz drücken.

Der stumme Killer und das Weißkittelsyndrom

Einen Bluthochdruck merkt man in der Regel nicht, er gilt als der stumme Killer. Mögliche Zeichen sind aufsteigende Nacken- oder Kopfschmerzen oder schwer stillbares Nasenbluten, meistens ist er aber ein Zufallsbefund, etwa beim Augenarzt oder in der gynäkologischen Vorsorge.

Sehr verbreitet ist das Weißkittelsyndrom: Man bekommt Angst, sobald jemand im weißen Kittel misst. Wer schon vorher innerlich die Angst gelebt hat, was ist, wenn ich etwas am Blutdruck habe, hat beim Arzt nicht den entspannten Ruhepuls, sondern schnell Werte wie 170 systolisch, oft mit hohen Blutdruckamplituden bei Aufregung. Bedenke: Hinter jedem großen Gefühl steht in der Regel ein großes Bild.

Warum eine Messung nichts beweist

Ein Arzt stellt die Diagnose nicht nach einer einzigen Messung. Man misst links und rechts, achtet auf die richtige Manschettengröße (eine zu kleine liefert falsch hohe Werte), die Praxiskraft misst erneut, der Patient misst zu Hause, dazu kommt eine Langzeitmessung. So sieht man, ob jemand nur in der Praxis mit hohen Werten reagiert, in der Langzeitmessung aber unauffällig ist. Wichtig ist das Feedback der Patienten, denn manche werden schon nervös, sobald das Gerät aufpumpt, das verfälscht die Werte. Dann wiederholt man lieber die 24-Stunden-Messung, statt vorschnell dauerhaft Medikamente zu geben.

Erhöhte Werte finden sich also durchaus bei Menschen, die körperlich gesund sind. Viele Angst- und Schwindelpatienten haben Messgeräte zu Hause, und hier ist Vorsicht geboten: Als Laie latent falsch gemessen, kommen falsche Werte heraus, und schon die Messung selbst kann einen so unter Strom setzen, dass hohe Werte entstehen, die sich schnell wieder normalisieren.

Warum Panik den Blutdruck hebt

Der Blutdruck ist nur eine automatisierte Reaktionsebene des Körpers, er stellt sich so ein, wie der Körper glaubt, ihn gerade zu brauchen. Bei Sport geht er hoch, bei Entspannung runter. In einer Panik- oder Angstsituation geht er eher hoch, weil im Kampf-oder-Flucht-Modus zentral mehr Blut bereitgestellt wird. Viele fürchten, ihnen gehe dann der Blutdruck weg. Es ist aber nicht der Blutdruck, der weggeht, sondern die Stresshormone erzeugen das Gefühl weicher Knie, sodass man sich am liebsten hinsetzt.

Was du tun kannst

Wer sich mit einer Angst vor dem eigenen Bluthochdruck reflektieren kann, obwohl der Arzt Entwarnung gibt, ist wieder an der bekannten Baustelle. Verschaff dir zuerst Klarheit, welche Befürchtungen du konkret hast, und fang an, bewusst mit dir zu sprechen. Bei der Gruppe weiblich, jung, eher schlank ist übrigens häufiger niedriger Blutdruck (Hypotonie) das Thema, teils mit kurzem Kollaps (Synkope).

Wir leben in einem Gesundheitssystem, das fast alles gut in den Griff bekommt. Hat jemand tatsächlich Bluthochdruck, ist das teils evolutionsbiologisch bedingt, dann reichen Sport und wenig Salz nicht immer, und etwas Medikation senkt das Risiko schwerer Erkrankungen deutlich. Trotzdem lohnt die Arbeit an den Baustellen: genug Wasser, moderat salzen, vor allem Sport und ein gutes Gewicht.

Und auch hier gilt: Zuerst stellt ein Facharzt die Diagnose oder klärt es als Ausschlussdiagnose ab. Steht dann fest, dass dein Blutdruck in Ordnung ist, darfst du hier oben ansetzen. Denn häufig ist nicht das Symptom das Problem, sondern die Bewertung, die darauf folgt. Wir dürfen lernen zu reframen, und wir glauben nicht an das, was richtig ist, sondern an das, was wir am häufigsten gehört haben. Es geht nicht um den einen Klick-Moment, sondern darum, annehmbare Gedanken zu erkennen und nachhaltig zu verinnerlichen. Das müssen wir am Ende selbst tun, und das gelingt in der Regel gut.

Wie Blutdruck, Stress und die Angst vor körperlichen Symptomen zusammenhängen und wie du daran arbeitest, beschreibe ich ausführlich in meinen Büchern und Hörbüchern → hier ansehen.

Du sorgst dich um deinen Blutdruck, obwohl ärztlich alles in Ordnung ist, und möchtest an der Angst arbeiten?Ich begleite dich in der Onlinetherapie von Bonn aus, deutschlandweit und online. Buch dir hier deinen Termin.

Zurück
Zurück

Herzneurose, Bluthochdruck und 20 Jahre Stress: Antworten auf eure Kommentare

Weiter
Weiter

Muss man mit Angst und Depression jahrzehntelang leben? Was die Erfahrungsberichte verschweigen