Benommenheit und Nackenschmerzen ohne Befund: Was steckt dahinter?

Ein Zuschauer schreibt: Ich leide seit drei Jahren unter Benommenheit, nicht direkt Schwindel, aber manchmal das Gefühl, als wäre der Kopf schwer, und manchmal, als ob die Augen den Schwindel auslösen. Dazu seit Jahren Nackenschmerzen. Kein Arzt hat etwas gefunden, ich bin am Verzweifeln.

Wo die Benommenheit herkommt

Solche nicht klar abgrenzbaren Benommenheitsgefühle werden oft vorschnell als Derealisation oder Depersonalisation bezeichnet. Meist handelt es sich aber nicht um psychiatrisch relevante Zustände, sondern um Benommenheit, die häufig durch Stresshormone entsteht: Diese führen zu einem leichten Zusammenziehen der blutzuführenden Gefäße (Vasokonstriktion) und damit zu einer leichten Sauerstoffunterversorgung, woraus Benommenheit, Schwindel und Derealisationsgefühle entstehen. Auch eine leichte Hyperventilation kann diese Vasokonstriktion auslösen. Viele Symptome, der schwere Kopf, das Gefühl, die Augen lösten den Schwindel aus, sind so erklärbar.

Warum es kein Hirntumor ist

Manche Betroffene fürchten eine ernste Ursache wie einen Hirntumor. Ein Hirntumor macht in der Frühphase keine Kopfschmerzen, weil das Gehirn selbst weder Schmerz noch Druck wahrnimmt. Wächst er, kommt es eher zu unstillbarem Erbrechen und massiven Schwindelanfällen, nicht zu dieser diffusen Benommenheit oder zum Schwank- und Unsicherheitsschwindel. Das entspricht nicht dem geschilderten Bild.

Augen und Nacken

Augen und Schwindel sind eng verbunden. Wer als Beifahrer im Auto in Kurven zu lesen versucht, kennt das: Nehmen die Augen keine Bewegung wahr, das Gleichgewichtsorgan aber schon, entstehen Schwindel und Übelkeit. Nackenschmerzen wiederum sind extrem verbreitet, fast jeder hatte sie schon. Entscheidend ist die Bewertung: Wir spüren Phänomene, die für den Organismus keine relevante Bedeutung haben, sondern eher der Betriebswärme eines Automotors gleichen. Sitze ich den ganzen Tag am Rechner, belaste ich meine Nackenmuskulatur und habe Schmerzen. Wir bewegen uns heute viel zu wenig und entspannen zu selten so, wie es unser Körper braucht. Nackenschmerzen sind deshalb kein klarer Hinweis auf eine bestimmte Grunderkrankung, sondern ein typischer Befund, dem man als Betroffener leicht eine besondere Bedeutung zuschreibt.

Der eigentliche nächste Schritt

Bei diffusen Symptomen findet man meist keinen klaren Auslöser, und findet ein Facharzt nichts, verweist er zum nächsten. Wichtig: Für deine Krankheiten sind die Ärzte zuständig, für deine Gesundheit bist du selbst zuständig. Der Arzt ist in erster Linie da, um ernsthafte Krankheiten frühzeitig zu erkennen, nicht, um dafür zu sorgen, dass du dich wohlfühlst.

Deshalb lohnt der Blick auf andere Ursachen: Wo tust du Dinge, die du eigentlich nicht tun möchtest? Wo tust du Dinge noch nicht, die du gern erleben würdest? Welche Gedanken schiebst du weg? Meist sind es nur wenige, aber zentrale Punkte im Leben, die man unter die Lupe nehmen sollte. Wenn dich diffuse Symptome plagen und kein Arzt helfen konnte, such auf der Denkebene nach Auslösern: Wie zufrieden bist du mit deinem Leben, magst du deine aktuelle Situation? Viele dieser Symptome lassen sich deutlich lindern.

Und will dir dein Körper etwas sagen? Nein, dein Körper kann nicht sprechen und hat keine eigene Intelligenz. Vieles entspricht schlicht der Betriebswärme und ist kein Hinweis auf eine Erkrankung. Er will dir nichts sagen, aber du kannst lernen, die Zeichen deines Körpers vernünftig zu interpretieren.

Wie Stress, Wahrnehmung und diffuse Symptome zusammenhängen und wie du die Auslöser findest, beschreibe ich ausführlich in meinen Büchern und Hörbüchern → hier ansehen.

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„Ist das gerade wirklich real?" Warum diese Frage die Derealisation verstärkt

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