Benommenheit, Nacken und Kribbeln, aber die Ärzte finden nichts: Was tun?
Timo schreibt: Ich habe seit etwa zwei Monaten Benommenheit, vor allem beim Gehen oder Autofahren, Verspannungen im Nacken, Kribbeln im Körper und ständig Angst, es könnte etwas Schlimmes sein. Der Hypochonder lässt grüßen. Ich war bei sämtlichen Ärzten, ein MRT der HWS wurde gemacht, gefunden wurde nichts, außer dem Rat, Sport zu machen, die Muskulatur zu stärken und die Haltung zu verbessern. Ich glaube langsam, dass ich meine Symptome durch meine Gedanken verstärke.
Wie wir mit uns selbst sprechen
Gerade dein letzter Satz ist wichtig. In der Praxis achte ich sehr darauf, wie Menschen mit mir und zu sich selbst sprechen. Ein typischer Mechanismus ist das „Ich habe das Problem". Fühlt man den Leuten auf den Zahn, „Sie haben dieses Problem gerade auch mitgebracht?", heißt es: klar. Können Sie sicher sagen, dass Sie es jetzt gerade haben? Nein, aber warum sollte es weg sein. Schon der Umstand, dass wir mit uns selbst sprechen, was wir ohnehin den ganzen Tag tun, und uns „ich habe ein Problem" sagen, trägt dazu bei, dass Dinge chronifizieren. Nicht der einzelne Satz ist der Fehler, aber auf lange Sicht lohnt der Blick auf dieses Selbstindizieren auf gedanklicher Ebene.
Vorweg gilt, wie immer: Neue Symptome dürfen ärztlich abgeklärt sein, um nichts Ernstes zu übersehen. So etwas ist aber, gerade bei diesem Symptommuster, zum Glück selten.
Psychosomatik in beide Richtungen
Mit der Zeit können körperliche Probleme mehr und mehr auf die Psyche drücken, und umgekehrt drücken Dinge im Kopf auf den Körper, das ist die Psychosomatik. Da sollte man aufpassen, dass beides nicht durcheinandergeht. Und ja, Symptome werden nicht nur durch Gedanken verstärkt, ich gehe sogar weiter: Die allermeisten Symptome können durch unser Denken überhaupt erst hervorgerufen werden. Stressoren, depressive Muster und Ähnliches fördern eine erhöhte Introspektionsfähigkeit, dieses ständige In-sich-Hineinhören. Und Energie folgt dem Fokus: Wer immer nur nach innen schaut, erlebt dort mit der Zeit auch entsprechend viel.
Woher die Verspannungen kommen
Verspannungen entstehen heute oft durch eine ungesunde Lebensweise. Wir entspannen zu selten und arbeiten zugleich körperlich zu wenig, unser Körper ist evolutionär auf harte körperliche Arbeit getrimmt, nicht auf den ganzen Tag im Büro oder zu Hause zu sitzen. Nackenverspannungen kommen zum Beispiel durch Bildschirmarbeit, wenn wir den Kopf in den Nacken legen, um etwas zu sehen. Und Ängste, Unsicherheiten und Befürchtungsmuster führen dazu, dass wir die Schultern hochziehen, um diesen empfindlichen Bereich zu schützen, auch das macht auf Dauer Verspannungen. Nur bei wenigen sind Nackenprobleme organisch bedingt und lösen dann tatsächlich Schwindel aus, das ist selten.
Das Kribbeln
Kribbeln in den Fingern kann durch ständige Nackenverspannungen entstehen, weil die Nervenweiterleitung gereizt wird, ein Kribbeln im Daumen und halben Zeigefinger oder ein pelziges Gefühl ist typisch dafür, dass ein Nerv leicht gereizt ist, meist ohne Bedeutung, trotzdem einmal abklären lassen. Kribbeln im ganzen Körper führe ich eher auf eine erhöhte Introspektionsfähigkeit oder einen leicht hyperventilierenden Zustand zurück, man atmet sich unter Stress in Rage und bekommt durch die geschärfte Wahrnehmung alles genau mit. Wichtig: Es gibt keine simple Zuordnung wie „Kribbeln heißt Problem mit der Freundin" oder „Nackenverspannung heißt vegan ernähren".
Was ich dir empfehle
Deine Symptome dürfen abgeklärt werden, sie sind bei sehr vielen Menschen vorhanden und sprechen in der Regel nicht für eine schwere körperliche Erkrankung. Relevant ist deshalb die Aufarbeitung mit einem Therapeuten. Schau dir das erste Schwindel-Video an, dort zeige ich differenziert, dass Schwindel, Benommenheit, Angststörung oder ein depressiver Zustand fast immer darauf zurückgehen, dass wir gegen unsere inneren Bedürfnisse leben. Ist die persönliche Integrität im Eimer, wehrt sich der Körper und sagt: Mach nicht so weiter wie bisher. Eine Anleitung gibt er nicht.
In unserer Gesellschaft rennen wir dann zum Arzt, statt uns um unsere Gesundheit zu kümmern, und das ist erst mal in Ordnung, denn der Arzt ist für die Krankheiten zuständig, für die Gesundheit ist aber jeder selbst verantwortlich. Geh also die Ansätze des ersten Schwindel-Videos durch und finde für dich heraus: Welche Punkte gehören mir und bringen mich weiter? Wo fehlen mir noch Kompetenzen oder Strategien? Und was sind eigentlich meine Ziele, für die ich jeden Morgen aufstehe?
Wie Gedanken, Körper und persönliche Integrität zusammenwirken und wie du daran arbeitest, beschreibe ich ausführlich in meinem Buch bzw. Hörbuch „Schluss mit Symptomen" → hier ansehen.
Du hast Benommenheit, Verspannungen oder Kribbeln ohne Befund und möchtest an den Ursachen arbeiten? Ich begleite dich in der Onlinetherapie von Bonn aus, deutschlandweit und online. Buch dir hier deinen Termin.