Aus der Puste am Berg: Wenn „zu wenig Luft" nur eine Bewertung ist

Mir ging beim Aufstieg gerade durch den Kopf, noch mal über eine körperliche Symptomatik zu erzählen, die ich selbst nur zu gut kenne. Nicht die subjektive Atemnot, bei der wir das Bedürfnis haben, einen tiefen Atemzug zu nehmen, um dieses befriedigende Gefühl zu bekommen, sondern eher das Umgekehrte: dieses unangenehme Gefühl, in der Anstrengung zu wenig Luft zu bekommen.

Warum der Körper auf die Höhe reagiert

Ich bin hier am Berg, und es geht ganz schön hoch hinaus. Das merke ich, obwohl ich gut trainiert bin, weil mein Körper einfach auf die Höhe reagiert. Man kommt schon bei einer entspannten, normalen Atemfrequenz ins Schnappen. Dieses Gefühl kenne ich aus den Bergen gut, und ich hatte früher definitiv Probleme damit.

Die auditive Befürchtungsebene

Ein typischer Mechanismus läuft dabei auf der auditiven Befürchtungsebene ab: Was ist das? Was ist, wenn es schlimmer wird? Was ist, wenn ich gleich umkippe? Über die Jahre, in denen wir zum Skifahren oder Wandern in den Bergen waren, habe ich das immer wieder erlebt, vor allem bei den Gondelfahrten. Je höher ich komme, bekomme ich zwar nicht wirklich schlechter Luft, aber ihr kennt dieses Aus-der-Puste-Sein. Oft kam auch ein aufsteigendes Gefühl von Übelkeit dazu, gerade in der Gondel, und da schwingt eine Befürchtung mit: Die Gondel bleibt stehen, und man kommt nicht mehr heraus. Dieses Bild habe ich immer wieder vor Augen, obwohl ich in der Gondel eigentlich gar kein Problem habe. Die Bilder sind trotzdem da.

Roemheld-Syndrom: wenn die Lunge zu wenig Raum hat

Was ich über die Jahre gemerkt habe: Gerade dieses flaue, leichte Unwohlsein ging oft damit einher, dass die Lunge zu wenig Raum hatte. Ich habe in den Bergen regelmäßig ein sogenanntes Roemheld-Syndrom, das heißt, der Darm drückt mit einer Raumforderung von unten gegen das Zwerchfell. Das ist überhaupt nicht schlimm, aber wenn man ein bisschen sensibel dafür ist, hat man schnell ein Unwohlsein dabei.

„Was ist wenn": die Funktion des Kopfes

Ob Unwohlsein in der Gondel oder am Berg, letztlich ist es immer dasselbe Bedrohungsszenario im Kopf: Was ist, wenn? Das sagt mein Kopf mehr oder weniger automatisch, und ich habe, wie jeder von uns, ein Denken, in dem Befürchtungen hochkommen, samt der Notwendigkeit, den Umgang mit ihnen zu lernen.

Hier die wichtige Differenzierung: All die Befürchtungen, die wir innerlich hören, haben wir nicht selbst ausgesprochen. Die Befürchtungsbilder, die wir sehen, haben wir nicht selbst hingestellt. Trotzdem wirken sie. Deshalb gilt es, Bewertungsmechanismen zu installieren und zu trainieren, denn wir glauben am ehesten das, was wir am häufigsten gehört haben.

Früher hätte ich hier am Pass gedacht: Was ist, wenn mir gleich die Luft wegbleibt, was ist, wenn das ungesund ist und ich gleich zusammenklappe, wie weit ist das Ziel noch? Heute sind andere Muster im Kopf. Und in dem Moment, in dem ich einfach atme, kommt nicht mehr die Befürchtung hoch, sondern etwas Achtsames: Ach, ich stehe gerade in der Gondel, es geht den Berg hoch, ich merke, wie etwas aufsteigt, und mein Kopf sagt: Ach so, daher kommt diese Bewertung.

Bewertungen als Idee, nicht als Wahrheit

Die unterschiedlichsten Symptome und Phänomene sind immer wieder auf die Bewertungsmechanismen unseres automatisierten Gehirns zurückführbar. Problematisch wird es, wenn wir diese anspannungsorientierten, automatisierten, negativen Bewertungen einfach stehen lassen. Denn der Kopf sagt nicht „Was ist, wenn das schlimm ist", weil es wirklich etwas Schlimmes sein könnte. Er sagt es, weil er die Aufgabe hat, das immer zu sagen.

Und das ist auch ein Erfahrungsbericht, damit ihr merkt: Ich rede nicht von oben herab über eure Symptome und Phänomene. Sie gehören zu meinem körperlichen Erleben genauso dazu, und ich muss genauso einen Weg finden, damit umzugehen.

Wie Befürchtungen, Bewertung und körperliche Symptome zusammenhängen und wie du daran arbeitest, beschreibe ich ausführlich in meinem Buch bzw. Hörbuch „Schluss mit Panik"hier ansehen.

Du kennst dieses „Was ist wenn" und die körperlichen Reaktionen dazu und möchtest daran arbeiten? Ich begleite dich in der Onlinetherapie von Bonn aus, deutschlandweit und online. Buch dir hier deinen Termin.

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Der Drang, tief einzuatmen: Warum du deine Atmung umtrainieren darfst

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„Ich muss ans Atmen denken, sonst höre ich auf": Warum das nicht stimmt