Angst vor dem Verschlucken: Wenn das Essen zur Panik wird

Frank hat kommentiert und schreibt sinngemäß: Er habe Probleme mit dem Essen, genauer gesagt eine Schluckstörung und die Angst, sich zu verschlucken. Gestern Abend sei zum fünften Mal dieser plötzliche Schwindel nach dem Essen aufgetreten. Er gehe demnächst zum Arzt, weil er sich Sorgen um seinen Blutzucker mache, aber es trete meistens nach dem Essen und klar unter Stress auf, der Puls liege laut Watch bei 90 bis 120. Ein Thema, das viele kennen, deshalb greife ich es hier ausführlich auf.

Messwerte, Watch und ärztliche Abklärung

Die Uhren messen heute eigentlich ziemlich gut und geben Richtwerte ab, mit denen man relativ sicher sein kann, dass sie ungefähr stimmen, ähnlich wie die Blutdruckmessgeräte, die man teilweise schon beim Discounter bekommt. Wichtig ist bei einer solchen Abklärung wie immer zuerst der Gang zum Facharzt, internistisch, orthopädisch, kardiologisch.

Mit diesen Schwindel-Themen bewegen wir uns aber in einem Segment, in dem du als Betroffener in der Regel schon alles gut hast abklären lassen und trotzdem niemand genau sagen konnte, was es eigentlich ist. Schau dir am besten auch die anderen Schwindel-Beiträge an, dort beschreibe ich die Symptomatik genauer und woher dieses diffuse Gefühl kommt. Wichtig ist auch die Abgrenzung zur Derealisation: Die meisten Betroffenen haben gar keine echte Derealisation im psychiatrischen Sinn, sondern eher eine kurzzeitige Minderdurchblutung wichtiger Gehirnareale. Das ist nicht schlimm, fühlt sich aber ziemlich unangenehm an.

Die Angst vor dem Verschlucken ist bekannt

Eine Sache kann ich direkt sagen: Sehr viele Betroffene kennen genau dieses Problem. Sie essen etwas, und dann kommt das Gefühl: Was ist, wenn ich das nicht runterschlucken kann, was ist, wenn ich mich verschlucke, was ist, wenn ich so keine Luft mehr bekomme? Das ist eine ganz typische Symptomatik im Kontext von Schwindel, Panik und diffusen Benommenheitszuständen. Und ein wichtiger Punkt ist ohnehin immer, dass Betroffene über dieses Thema überhaupt kommunizieren, dass sie es aussprechen.

Dieses Angstgefühl beim Essen ist also nicht ungewöhnlich, im Gegenteil. Es ist kein enger medizinischer Fachbegriff, aber man würde etwa von einer Dysphagie, einer Schluckstörung, sprechen. Vermutlich liegt keine organische Ursache vor, wenn ein Arzt bereits daraufgeschaut und es ausdiagnostiziert hat, sondern es steht im Kontext einer Panikstörung, und du hast ja selbst geschrieben, dass dabei diese Panikgefühle auftreten. Die Angst, sich zu verschlucken und in einen kritischen Zustand zu geraten, ist in diesem Rahmen ein durchaus bekanntes Phänomen.

Der Körper als Maschine: Krankheit und Gesundheit

Schwindel, der sich medizinisch nicht auf eine organische Ursache zurückführen lässt und kein Drehschwindel ist, ist oft ein Phänomen, bei dem dein Kopf dir ein Stück weit eine Art Signal mitgibt. Ich bin kein Freund der Formulierung, unser Körper oder Kopf würde zu uns sprechen. Aber wir können die Signale, die unser Körper bei normaler Nutzung oder Überbeanspruchung aussendet, verstehen lernen. Kopf und Körper sprechen sozusagen eine Sprache, die wir lernen können, vernünftig zu interpretieren, damit wir verstehen, wie wir unser System optimal pflegen.

Man sagt gern, der Mensch sei keine Maschine. In gewissem Sinne sind wir das aber sehr wohl, Gebilde, die unter bestimmten Bedingungen, Umweltfaktoren, Ernährung, Sonnenlicht, Temperatur, besser oder schlechter funktionieren. Und der Mensch von heute ist oft keine wirklich gut gepflegte Maschine. Viele sagen: Ich habe meinen Arzt, dem vertraue ich. Aber ich habe reihenweise Menschen in der Praxis, bei denen sich zeigt, dass jemand täglich zwei Flaschen Rotwein trinkt, Diabetes hat und trotzdem sagt, er habe keine Angst vor Bluthochdruck, wenn der zu hoch werde, gehe er eben zum Arzt. Kann man so sehen, aber der entscheidende Satz lautet: Für deine Krankheit sind die Ärzte zuständig, für deine Gesundheit bist du selbst verantwortlich.

Befürchtungen und persönliche Integrität

Den meisten Betroffenen kann mit der Zeit geholfen werden, wenn sie sich selbst vor Augen führen, an wie vielen Punkten sie ihre „Maschine Körper" nicht gut behandeln und an wie vielen Stellen sie etwas tun, was sie eigentlich gar nicht tun möchten. Das ist das Thema persönliche Integrität.

Es kann außerdem sein, dass du im Alltag unheimlich viele Befürchtungen erlebst, denen du nichts entgegenzusetzen hast. Eine Befürchtung wird entweder als Bild vor dem inneren Auge oder als innere Stimme, ein auditives Sprachverständnis im eigenen Denken, sichtbar oder hörbar. Und ganz häufig sind Befürchtungen nichts anderes als ein Hinweis darauf, dass du für eine bestimmte Situation, eine bestimmte Sache, noch kein Ziel definiert hast.

Akuthilfe und die breite Basis

In den meisten Situationen finden wir eine gute Basis, wenn wir zwei Bereiche fokussieren. Erstens die akute Problematik. Wenn die Panik da ist, ist die Sympathikus-Aktivierung hoch und die des Parasympathikus gering, und du kannst in dem Moment nicht viel tun, um sofort runterzukommen. Ich habe dazu ein Video gemacht, Erste Hilfe bei Derealisation und Depersonalisation, mit fünf konkreten Tipps für die Akutsituation, wenn Schwindel oder Panik akut da sind: in Bewegung kommen, Kaugummi kauen, damit du den Blick auf die breite Basis wiederfindest.

Zweitens diese breite Basis selbst. Die akuten Spitzen kommen in der Regel irgendwo her, und da sind wir wieder bei der persönlichen Integrität. Egal ob du isoliert diese Angst vor dem Verschlucken hast, ob nur Schwindel oder Benommenheit da ist oder eine andere Form von Niedergeschlagenheit, ich interpretiere solche Phänomene heute fast immer im Kontext evolutionsbiologischer Mechanismen. Ganz kurz gesagt: Der Körper wehrt sich gegen unseren Lebensstil. Deshalb solltest du, auch mit Schluckbeschwerden, im Grunde nichts anderes tun als jemand mit einem anderen Symptom: In Akutsituationen durch Bewegung den Fokus auf andere Dinge lenken und an der breiten Basis deinen persönlichen Problemhintergrund besser erkennen lernen, um dein Leben langfristig wieder besser zu strukturieren.

Wie Panik, Schwindel und körperliche Symptome zusammenhängen und wie du an den Ursachen arbeitest, beschreibe ich ausführlich in meinem Buch bzw. Hörbuch „Schluss mit Panik"hier ansehen.

Du kennst die Angst vor dem Verschlucken oder Schwindel nach dem Essen und möchtest an den Ursachen arbeiten? Ich begleite dich in der Onlinetherapie von Bonn aus, deutschlandweit und online. Buch dir hier deinen Termin.

Zurück
Zurück

Atemübungen bei Panik und Hyperventilation: Was wirklich hilft

Weiter
Weiter

Subjektive Luftnot: 5 Tipps gegen das Gefühl, nicht durchatmen zu können