20 Jahre Panikattacken, gibt es noch Hoffnung?

Ein Zuschauer schreibt mir: Ich habe seit 20 Jahren Panikattacken und alles durch, Therapie, sechsmal stationär, zweimal Tagesklinik, acht Jahre Verhaltenstherapie, EMDR, verschiedene Antidepressiva und Neuroleptika. Es hilft nichts, jeden Tag Todesangst und Übelkeit, ich kann keine weiten Strecken mehr fahren, manchmal nicht mal mehr einkaufen. Ich beobachte ständig mein Herz, messe den Blutdruck, es ist die Angst vor dem Tod, ich werde sie wohl nie los. Gibt es noch Hoffnung? Ich sehe schon lange schwarz.

Auf jeden Fall gibt es Hoffnung. Gehen wir Schritt für Schritt.

Nicht die Krankheit, sondern die Symptome

Viele Therapien arbeiten im alten Erwartungsprinzip: Du hast eine Depression oder Angststörung, also therapieren wir die Erkrankung, damit es dir wieder gut geht. Heute wissen wir, dass nur ein Bruchteil der diagnostizierten Depressionen tatsächlich endogen ist, also ohne äußeres Zutun von innen heraus entsteht. Zeigst du genug Symptome, kann man sie in eine Diagnostik einordnen und benennen, leichte, mittelgradige oder schwere Depression zum Beispiel. Aber der wichtige Unterschied: Du hast meist keine Depression, an der du erkrankt bist und die dir deshalb Symptome macht, sondern deine Symptomatik kann als Depression zusammengefasst werden.

Das ist auch ein typischer Fall, nicht weil Menschen dieselbe Erkrankung haben, sondern weil wir eine sehr ähnliche Umwelt haben: Wir müssen alle für Geld arbeiten, einkaufen gehen, und die meisten Menschen denken relativ ähnlich. Deshalb ist die erste wichtige Frage nicht, welche Krankheit ist das, sondern welche Symptome hast du, und was könnte dir helfen.

Befürchtungen sind normal, kein Krankheitszeichen

Ein zentraler Punkt: Du hast nicht Angst vor dem, was Außenstehende beobachten können, sondern vor dem, was du auf deiner inneren Verarbeitungsebene siehst und hörst. Deine Todesangst ist nicht unlogisch, die Frage ist, worauf du mit ihr reagierst. Das Auftreten von Befürchtungen ist nicht Ausdruck einer Krankheit, sondern von Gesundheit. Befürchtungen sind normal, die Frage ist nur, wie du damit umgehst. Diese Befürchtungsbilder und inneren Stimmen hast du nicht selbst formuliert, du hast sie gehört, der Kopf liefert sie automatisch, nach dem Muster, guck mal, wenn das schiefgeht, damit du aktiv wirst und durch Handeln Sicherheit erzeugst.

Das ständige Blutdruck- und Pulsmessen ist genau so eine Reaktion: eine antrainierte Mechanik, die im Moment die beste Alternative zu sein scheint. Du misst, um dir zu beweisen, dass du keine Angst haben musst, hast aber in dem Moment oft leicht erhöhten Blutdruck und rutschst noch tiefer in die Angstschleife. Dasselbe gilt fürs Googeln von Symptomen: morgens leichte Halsschmerzen eingeben, und heraus kommt Speiseröhrenkrebs. Das löst nichts, es nährt den Kreislauf.

Aufschreiben: vom problem- ins lösungsorientierte Denken

Deshalb hilft Aufschreiben: Wir verlassen damit die Position des passiven Zuhörers und Zuschauers, bekommen eine andere Perspektive und sehen, was die Gedanken bewirken. Hast du deine Probleme einmal aufgeschrieben, geht der Kopf oft von allein dazu über, Lösungen zu finden, du musst nur selbst aktiv werden und vom problemorientierten ins lösungsorientierte Denken kommen.

Die meisten Probleme, die unser Leben extrem belasten, stehen eigentlich auf relativ pragmatischen Grundlagen. Die Frage ist nicht, ob dieses Konzept bei dir funktioniert, das wird es mit allergrößter Sicherheit, sondern wie du da herankommst, denn wir stecken oft in gesellschaftlichen Strukturen fest. Was denken die Leute im Job, in der Familie, wenn ich etwas verändere? Habe ich überhaupt die Möglichkeit, etwa von einem Job Distanz zu nehmen, der mir nicht guttut und mich regelmäßig in Panik bringt?

Umwelt umgestalten und umtrainieren

Theoretisch könnten wir die Umwelt so verändern, dass viele bessere Optionen näherliegen als die antrainierte, nämlich den Blutdruck zu prüfen. Mit etwas Aufwand gelingt das, und dann lässt sich das Gehirn relativ schnell umtrainieren. Hypnose? Eher weniger, denn wir glauben nicht an das, was richtig ist, sondern physiologisch an das, was wir am häufigsten gehört haben. Eine Hypnose kann höchstens ein Startschuss sein. Ich bin eher ein Fan vom Trainieren: Ich stelle mir zum Beispiel einen Wecker mit einem vorgefertigten Gedanken, er klingelt, und ich weiß, jetzt gehe ich wieder in dieses eine gewünschte Bild. So unterstützen wir uns, auch im Zusammenspiel mit der Umwelt, bestimmte Dinge zu verändern.

Und ganz wichtig, bei deiner Vorgeschichte: Neu auftretende oder unklare Symptome gehören zuerst ärztlich abgeklärt. Sagt der Facharzt, da ist nichts Behandelbares, darfst du das auch deutlich mitnehmen und dann an den Mustern arbeiten.

Wie du nach vielen erfolglosen Anläufen über deine Denkmuster doch einen Weg findest, beschreibe ich ausführlich in meinem Buch bzw. Hörbuch „Schluss mit Symptomen" → hier ansehen.

Du hast schon vieles versucht und trotzdem noch Panik? Es gibt einen Weg, und ich gehe ihn gern mit dir. Ich begleite dich in der Onlinetherapie von Bonn aus, deutschlandweit und online. Buch dir hier deinen Termin.

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Habe ich wirklich Panikattacken, oder ist es etwas Schlimmeres?