Wie Du den Fokus auf Extrasystolen verändern kannst
Es ist ein Moment, der Dir den Atem stocken lässt. Das Herz scheint kurz auszusetzen, dann folgt ein kräftiger Schlag, fast wie ein Stolpern in der Brust. Sofort horchst Du hinein. War das gefährlich? Kommt es gleich wieder? Und schon richtet sich Deine ganze Aufmerksamkeit auf das, was sonst völlig im Hintergrund läuft, nämlich Deinen Herzschlag.
Diese Herzstolperer heißen Extrasystolen, und sie sind ein extrem häufiges Phänomen. Fast jeder Mensch hat sie, oft viele am Tag, ohne sie überhaupt zu bemerken. Der Unterschied zwischen denen, die sie kaum spüren, und denen, die darunter leiden, liegt selten im Herzen selbst. Er liegt in der Aufmerksamkeit.
Warum das Herz stolpert
Eine Extrasystole ist ein zusätzlicher Herzschlag, der etwas früher kommt als erwartet. Danach folgt eine kurze Pause, bevor der nächste reguläre Schlag einsetzt, und dieser ist dann oft kräftiger. Genau diese Pause und der nachfolgende kräftige Schlag sind das, was Du als Aussetzen und Stolpern wahrnimmst. Das Herz arbeitet dabei völlig normal, es legt nur kurz einen ungewöhnlichen Rhythmus ein.
Begünstigt werden Extrasystolen durch Dinge, die Dein Nervensystem reizen: Stress, wenig Schlaf, Koffein, Aufregung. Vor allem aber durch Anspannung. Wer unter Daueranspannung steht, dessen vegetatives Nervensystem ist überaktiv, und das macht solche zusätzlichen Schläge wahrscheinlicher. Ein stolperndes Herz ist in aller Regel also kein krankes Herz. Es ist ein Herz unter Strom.
Wie die Aufmerksamkeit das Stolpern verstärkt
Hier liegt der eigentliche Knoten. Sobald Du die Extrasystolen als bedrohlich erlebst, beginnst Du, Dein Herz zu überwachen. Du fühlst den Puls, Du achtest auf jeden Schlag, Du wartest auf das nächste Stolpern. Und weil Extrasystolen ohnehin ständig vorkommen, wirst Du auch immer wieder fündig. Jeder Fund erschreckt Dich, der Schreck aktiviert das Nervensystem, und das wiederum begünstigt den nächsten Aussetzer.
So entsteht ein Kreislauf, in dem die Angst vor dem Herzstolpern das Herzstolpern nährt. Das ständige Pulsfühlen fühlt sich an wie Vorsicht, ist aber ein Sicherheitsverhalten, das Deine Aufmerksamkeit dauerhaft am Herzen festklebt. Worauf Du Deinen Fokus richtest, das tritt in den Vordergrund. Wie sich ein solcher Kreislauf aus Symptom und Angst durchbrechen lässt, habe ich am Beispiel der Angst vor Krankheiten ausführlich beschrieben.
Wie Du Deinen Fokus wieder löst
Der entscheidende Schritt steckt schon im Titel. Es geht nicht darum, die Extrasystolen wegzubekommen, sondern darum, Deinen Fokus zu verändern. Solange Du jedes Stolpern überwachst und bewertest, hältst Du es im Zentrum Deiner Wahrnehmung. Wenn Du dagegen lernst, einen Aussetzer wahrzunehmen und ihn dann sein zu lassen, ohne zu reagieren, nimmst Du ihm seine Macht.
Das heißt konkret, den Puls nicht mehr zu fühlen, nicht auf das nächste Stolpern zu warten, die Aufmerksamkeit bewusst zurück ins Leben zu lenken. Anfangs steigt dabei die Anspannung, weil Dein Gehirn das Überwachen für notwendig hält. Doch sie fällt wieder, und mit jedem Mal, in dem Du nicht reagierst und nichts Schlimmes geschieht, lernt Dein Gehirn, dass das Stolpern harmlos ist. Daneben hilft alles, was Dein Nervensystem entlastet, weniger Koffein, mehr Schlaf, Bewegung, und vor allem die Bereitschaft, Dich um die Anspannung dahinter zu kümmern. Denn das Herzstolpern ist am Ende kein Defekt, sondern ein Hinweis, dass Dein System eine Entlastung braucht.
Das Wichtigste auf einen Blick: Extrasystolen sind ein häufiges und meist harmloses Herzstolpern, das durch Anspannung und ein überaktives Nervensystem begünstigt wird. Bedrohlich wird es vor allem durch die Aufmerksamkeit, die Du darauf richtest, und durch das ständige Pulsfühlen, das den Kreislauf am Leben hält. Der Weg führt nicht über das Wegmachen der Aussetzer, sondern über das Verändern des Fokus, das Loslassen der Kontrolle und die Entlastung des Nervensystems.
Wenn Du selbst betroffen bist:
Vielleicht erkennst Du Dich in dem wieder, was Du gerade gelesen hast. Symptome wie diese haben einen Grund. Und es gibt einen Weg, mit ihnen anders umzugehen.
In meiner Praxis in Bonn oder online begleite ich Menschen mit psychosomatischen Symptomen seit 2011. Über 17.000 Sitzungen, über 1.500 begleitete Klientinnen und Klienten.
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