Warum manche Panikattacken stundenlang dauern, und was hilft

Die meisten Panikattacken dauern zwischen fünf und zwanzig Minuten. Das Nervensystem läuft kurz auf Hochtouren, die Stresshormone steigen, dann baut sich das wieder ab. Bei manchen Menschen ist eine Attacke aber nach Stunden immer noch da, manchmal sogar nach 14 Stunden, wie es jemand in einem Kommentar beschrieben hat. Das ist kein seltenes Randphänomen und hat eine mögliche Erklärung, über die kaum jemand spricht.

Die natürliche Kurve einer Panikattacke

Bei einer typischen Panikattacke schaltet das Nervensystem in einen Alarmzustand, Kortisol und Adrenalin werden ausgeschüttet, der Herzschlag steigt, die Atmung beschleunigt sich, die Muskeln spannen an, eine klassische Kampf-oder-Flucht-Reaktion. Sie hat in der Regel eine natürliche Kurve: Sie steigt an, erreicht einen Höhepunkt und baut sich dann wieder ab. Der Körper kann diesen Zustand nicht unbegrenzt halten, er ist zu energieaufwendig.

Der Kreislauf hinter langen Attacken

Warum baut es sich bei einigen nicht ab? Die Antwort liegt oft im Umgang mit der Attacke selbst. Entsteht während der Panik der Gedanke „das hört nicht auf, das wird immer schlimmer, ich halte das nicht aus", bekommt das Nervensystem ein neues Alarmsignal, nicht mehr von außen, sondern von innen. Die Panik selbst wird zur Bedrohung, und auf Bedrohung reagiert das System mit noch mehr Alarm. Das ist der Mechanismus hinter verlängerten Panikattacken: kein körperliches Versagen, kein Fehler, sondern eine Rückkopplung. Die Angst vor der Panik verlängert die Panik. Zu verinnerlichen, dass sich die Attacke nicht durch Aushalten verlängert, sondern durch Beobachten und Bewerten, verändert die Dynamik fundamental.

Warum Atemtechniken die Panik nicht „stoppen"

Viele Betroffene sagen, sie hätten schon alles versucht, Atemtechniken, Ablenkung, Bewegung, und trotzdem hören die Attacken nicht auf. Ein wichtiger Gedanke, der oft gefehlt hat: Diese Techniken funktionieren nicht, um eine Panikattacke zu stoppen, sondern um das Nervensystem nicht weiter zu befeuern. Wer während einer Atemübung ständig prüft, ob sie wirkt, oder Musik hört und gleichzeitig in sich hineinfühlt, ob die Angst nachlässt, hat die Aufmerksamkeit weiter auf der Panik, das Nervensystem bleibt im Beobachtungsmodus für Bedrohungen.

Die Erwartung als Verstärker

Ein weiterer Faktor ist die Erwartung. Wer einmal eine lange Panikattacke hatte, geht in die nächste mit einer anderen inneren Haltung, nicht unbedingt bewusst. Das Nervensystem hat gelernt, dass Panikattacken sehr unangenehm und lang werden können, und diese Erwartung allein erhöht die Grundanspannung, das Gehirn ist schon darauf vorbereitet, lange zu kämpfen. Das ist keine Schwäche, sondern ein konditioniertes System, dasselbe Prinzip wie hinter jeder Gewohnheit, nur in die falsche Richtung.

Was dir helfen kann

Erstens: Wenn Panikattacken regelmäßig sehr lange dauern, nicht von allein abklingen und nur durch Bedarfsmedikamente enden, ist das ein klares Zeichen, dass ambulante Unterstützung sinnvoll ist, nicht weil etwas grundlegend falsch ist, sondern weil der Kreislauf allein kaum zu durchbrechen ist. Klassische Psychotherapie oder speziell kognitive Verhaltenstherapie mit Konfrontation gegenüber den auslösenden Angstreizen ist gut belegt.

Zweitens sollte abgeklärt werden, ob körperliche Auslöser dahinterstehen, etwa ein Hashimoto. Eine Schilddrüsenerkrankung oder schwankende Hormonspiegel können das Nervensystem empfindlicher machen, das lohnt sich mit einem Endokrinologen zu besprechen, nicht nur mit dem Hausarzt.

Drittens, vielleicht der wichtigste Punkt: Der ärztliche Satz „du musst die Angst aushalten" ist nicht falsch, aber unvollständig. Aushalten ohne Verständnis ist Qual, Aushalten mit dem Wissen, was gerade passiert und warum, ist etwas grundlegend anderes. Der Körper macht nichts Falsches, das Nervensystem arbeitet so, wie es gelernt hat, und das kannst du verändern.

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