Mache ich etwas falsch? Schwindel, Panik und Derealisation

Ein Zuschauer schreibt, er habe seit acht Monaten unerklärlichen Schwindel, er deute die Panikattacken so, dass sie sagen wollen „so nicht mehr", werde aber nicht schlauer daraus. Sein Hausarzt riet zu mehr Sport und Gewichtsreduktion. Mache ich etwas falsch? Ich gehe das Schritt für Schritt durch.

Warum Sport hilft, mit Begründung

Wenn der Hausarzt zu mehr Sport rät, ist das richtig, aber oft ohne Begründung geraten. Mein Anspruch ist, nicht zu raten, sondern zu wissen. Warum ist Sport bei Schwindel und Benommenheit im Zusammenhang mit Panikattacken sinnvoll? Unser Körper ist noch im Fight-or-Flight-Prinzip unterwegs, heute aber selten konkreten Problemen gegenüber. Häufig kommen uns Probleme sehr groß vor. Dabei gibt es keine großen und keine kleinen Probleme, es gibt lösbare Probleme und solche, für die wir noch keine Lösung haben, und gerade die erscheinen uns groß, besonders wenn sie diffus und unbegrenzt im Raum stehen und wir gar nicht genau wissen, was eigentlich das Problem ist.

Dann schaltet der Körper auf Verteidigung und schüttet Stresshormone aus, der Herzschlag beschleunigt sich, die Atmung geht schneller, es wird viel Energie bereitgestellt, um zu kämpfen oder zu flüchten. Der typische Betroffene sitzt aber und versucht, das wegzuatmen. Das ist nicht, was der Körper will, die bereitgestellte Energie wird nicht abgerufen, und der Organismus fährt weiter auf hohem Level. Muskelaktivität verstoffwechselt die Stresshormone. Deshalb empfehle ich, wo es keine Kontraindikation gibt, eher eine Cardio-Belastung als Kraftsport, weil man dabei viele Muskelgruppen aktiviert und viel Stress abbaut. Viele merken: Beim Joggen ist die Symptomatik schwächer, beim Stehen im Supermarkt stärker. Sport baut also Stresshormone ab, die über eine lange Kaskade genau diese Symptomatik mitverursachen.

Dazu die Studienlage: Ab etwa 35 bis 40 Minuten kardiovaskulärer Dauerbelastung beginnt der Körper über das Darmgeflecht, das sogenannte zweite Gehirn, Grundbausteine der Glückshormone auszuschütten, die über die Blut-Hirn-Schranke stärker anfluten. Sport macht auf lange Sicht also auch glücklich, sollte aber bei etwa 35 bis 40 Minuten aufwärts liegen, damit der Körper in diese Aktivierungszone kommt. Führ also ein sportliches Leben, das ist schon mal gut.

„Die Panikattacken sagen so nicht mehr"

Das würde ich so nicht stehen lassen. Unser Körper gibt uns keine Signale, mit denen er sagt, schlag ab sofort genau diese Richtung ein. Eine Panikattacke will uns nichts sagen, dem Körper ist es egal, du kannst die nächsten 30 Jahre mit Panikattacken durchs Leben gehen, er macht sein Basisprogramm weiter. Wir können es aber anders interpretieren: Die Panikattacken geben uns einen Hintergrund, dass wir die Dinge vielleicht anders machen sollten. Unser Körper arbeitet so, dass wir seine Signale mitbekommen, und wir können lernen, sie vernünftig zu deuten.

Von der Befürchtung zum Ziel

Wichtig ist, mit jedem Betroffenen die Themen konkret zu visualisieren, zu verbalisieren und die Verhaltensebene anzuschauen. Wir verarbeiten über Bilder, innere Stimmen und unser eigenes Verhalten, diese drei Ebenen führen zum Gefühl. Zeigt dein Kopf eine Befürchtung, und du distanzierst dich, indem du sie tiefstellst und stattdessen die Küche putzt, wirst du ihr nicht gerecht. Ich deute das so: Du hast dir noch kein Ziel definiert und darum keinen Plan. Besser: die Befürchtung in den Raum stellen. Was befürchte ich? Ich sehe mich in der Klausur in Panik verfallen. Ist das dein Ziel? Nein, dein Ziel ist nur „bloß keine Panik", ein Gegenbild fehlt. Hinter jedem großen Gefühl steht ein großes Bild. Wie bei „ich will keinen Stau": Du siehst dann keine freie Straße, sondern viele rote Rücklichter. Deshalb Ziele in der Anwesenheitsform definieren: Ich sehe mich sitzen, die Aufgaben sehen und denken, das hast du genau gelernt, und genau diese Fragen kommen dran.

Es geht also nicht um die Menge an Sport, sondern darum, wie du im Alltag mit den Befürchtungen umgehst, die dein Kopf hochbringt, welche Ziele dir Energie geben, und dass du in deinen vier Beziehungsebenen (zu dir selbst, zu Geld, zu anderen Menschen, zum Job) jeweils Ziele hast, denen du nachgehen kannst. Es geht darum, Ideen aufzugreifen, daraus Ziele zu formulieren, sie in eine umsetzbare Strategie zu bringen und ins Erleben zu kommen, kurz, das Leben vor dem Tod zu nutzen.

Schau dir das Video zum Problem-Regal an und finde heraus, welche Befürchtungen bei dir konkret auftauchen. Schon das Darüberreden und konkrete Auseinandersetzen entlastet, und du wirst merken, dein Kopf findet von allein Lösungen, wenn du dich auf der Ebene damit beschäftigst, wo die Problematik wirklich stattfindet, bei den Bildern und inneren Beschreibungen.

Wie du aus Befürchtungen tragfähige Ziele machst und Schwindel und Panik den Raum nimmst, beschreibe ich ausführlich in meinem Buch bzw. Hörbuch „Schluss mit Symptomen" → hier ansehen.

Du fragst dich, ob du etwas falsch machst, und möchtest einen klaren Weg? Nach ärztlicher Abklärung begleite ich dich gern. In der Onlinetherapie von Bonn aus, deutschlandweit und online. Buch dir hier deinen Termin.

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