Es ist spät am Abend. Das Haus ist still, Du liegst im Bett, und Deine Hand wandert zu der Stelle, die Dich seit Tagen beschäftigt. Du tastest. War das gestern schon so? Fühlt es sich größer an? Noch während Du tastest, meldet sich die vertraute Stimme im Kopf: Was, wenn es diesmal etwas Ernstes ist?
Vielleicht tastest Du nicht. Vielleicht prüfst Du mehrmals am Tag Deinen Puls. Vielleicht googelst Du den Kopfschmerz, obwohl Du Dir geschworen hast, es nie wieder zu tun. Vielleicht fotografierst Du einen Leberfleck, um ihn mit dem Bild der Vorwoche zu vergleichen. Oder Du horchst in Deinen Körper hinein, sobald es um Dich herum ruhig wird.
Mit dieser Szene beginnt mein neues Buch „Schluss mit Krankheitsangst". In diesem Artikel fasse ich zusammen, worum es im Vorwort geht und warum es für Dich der wichtigste Ausgangspunkt sein kann.
Der Kreislauf, den Du wahrscheinlich kennst
Auf das Prüfen folgt meist die Suche nach Gewissheit. Du suchst im Internet nach Beruhigung und landest bei drei neuen Verdachtsdiagnosen. Du sehnst den Arzttermin herbei und fürchtest ihn zugleich. Dann kommt der unauffällige Befund. Die Erleichterung ist echt, aber sie hält oft nur kurz. Nach zwei Wochen ist der Zweifel zurück: Was, wenn etwas übersehen wurde?
Dieser Kreislauf aus Angst, Kontrolle, kurzer Beruhigung und neuer Angst ist das eigentliche Problem. Jede Kontrolle verspricht Sicherheit. Tatsächlich bestätigt sie Deinem Gehirn nur, dass es Grund zur Wachsamkeit gibt. So wird die Angst mit jeder Runde stabiler.
Ein Mechanismus hinter vielen Gesichtern
Seit meiner Praxisgründung 2011 habe ich mehr als 17.000 Sitzungen geführt und über 1.600 Menschen begleitet. Die Angst vor Krankheiten ist mir dabei in unzähligen Varianten begegnet. Manche fürchten um ihr Herz, andere haben Angst vor Krebs oder vor neurologischen Erkrankungen. Wieder andere haben Angst, den Verstand zu verlieren.
So unterschiedlich diese Ängste wirken, dahinter steckt erstaunlich oft derselbe Mechanismus. Genau diesen Mechanismus lernst Du im Buch kennen. Und zwar so gründlich, dass er seine Macht über Dich nach und nach verliert.
Du bist nicht verrückt
Der wichtigste Satz des Vorworts ist zugleich die Grundlage für alles Weitere: Du bist nicht verrückt. Deine Wahrnehmungen sind real. Du bildest Dir Deine Symptome nicht ein, und Du bist auch kein schwieriger Patient, der sich anstellt.
Was Du erlebst, ist die Arbeit eines gesunden Gehirns. Dieses Gehirn hat gelernt, an einer bestimmten Stelle besonders gründlich zu sein, nur leider an der falschen. Deine Krankheitsangst ist deshalb keine Krankheit, an der Du erkrankt bist. Sie ist ein Trainingszustand.
Das klingt vielleicht zunächst ungewohnt. Es ist aber keine Verharmlosung. Im Gegenteil: Es ist die beste Nachricht, die ich Dir geben kann. Denn was antrainiert wurde, lässt sich auch wieder umtrainieren.
Auf Augenhöhe statt von oben herab
Ich schreibe nicht als jemand, der gesund ist und Dir als Krankem erklärt, was mit Dir nicht stimmt. Ich schreibe als jemand, der denselben Kopf hat wie Du. Auch mein Gehirn denkt dramatisch, negativ und misserfolgsorientiert. Dafür ist es gebaut, denn es soll uns vor Gefahren schützen.
Auch ich habe schon in den Himmel geschaut und mich gefragt, was die kleinen Punkte in meinem Sichtfeld bedeuten. Auch ich hatte Symptome, die mich beschäftigt haben. Ich habe geprüft, kontrolliert und gezweifelt.
Der Unterschied zwischen uns liegt also nicht darin, dass ich etwas hätte, das Dir fehlt. Er liegt in den Strategien, die ich über viele Jahre entwickelt und trainiert habe. Diese Strategien möchte ich Dir weitergeben.
Was das Buch nicht ist
Mir ist eine klare Abgrenzung wichtig. Das Buch ersetzt keine ärztliche Diagnostik. Ich rate Dir an keiner Stelle, Deinem Arzt zu misstrauen oder auf sinnvolle Abklärung zu verzichten. Neu auftretende Symptome gehören in ärztliche Hände. Daran ändert sich nichts.
Das Buch setzt dort an, wo die Medizin ihre Arbeit getan hat. Es beschäftigt sich mit der Frage, warum Du Dich nicht gesund fühlst, obwohl Du es bist. Und mit der Frage, wie Du aus dem Kreislauf aus Angst und Kontrolle wieder herausfindest. Beides steht nicht im Widerspruch zur Medizin, es ergänzt sie.
Die Kernbotschaft in einem Satz
Nicht Dein Körper ist das Problem, sondern die Wahrnehmung und die Bewertung, die Dein Kopf automatisch hinzufügt.
Wer das versteht, stellt eine andere Frage. Statt „Welche Krankheit habe ich wirklich?" fragst Du dann: „Wie bringe ich meinem Kopf bei, anders mit dem umzugehen, was ich spüre?" Das ist ein völlig anderer Ausgangspunkt. Und er führt Dich an einen anderen Ort als die nächste Suche im Internet.
Viele Wege zum Verstehen
„Schluss mit Krankheitsangst" erscheint auch als Hörbuch, und die einzelnen Abschnitte findest Du als Videos auf meinem YouTube-Kanal. Ich bin überzeugt, dass Verstehen auf vielen Wegen möglich ist. Der richtige Weg ist der, der zu Dir passt.
Das Buch ist ein in sich geschlossener Einstieg, geschrieben für Deine Krankheitsangst. Wenn Du danach tiefer in die Werkzeuge einsteigen möchtest, mit denen Du Dein Denken langfristig veränderst, findest Du in meinem Ratgeber „Schluss mit Symptomen" die ausführliche Fortsetzung.
Fazit
Das Wichtigste auf einen Blick: Krankheitsangst folgt fast immer demselben Kreislauf aus Angst, Kontrolle, kurzer Beruhigung und neuer Angst. Sie ist kein Zeichen von Verrücktheit, sondern die Leistung eines gesunden Gehirns, das an der falschen Stelle gründlich geworden ist. Weil sie antrainiert wurde, lässt sie sich umtrainieren. Ärztliche Abklärung bleibt dabei wichtig. Der entscheidende Schritt ist ein anderer Blick: weg von der Frage nach der nächsten Diagnose, hin zu der Frage, wie Du anders mit dem umgehst, was Du spürst.
Das Buch zum Thema
Alle Gedanken aus diesem Vorwort und die konkreten Strategien aus meiner Praxis findest Du in meinem Buch „Schluss mit Krankheitsangst". Hier findest Du alle meine Bücher und Hörbücher.
Wenn Du Dir bei Deiner Krankheitsangst persönliche Begleitung wünschst, unterstütze ich Dich gern in meiner Praxis in Bonn oder online. Termin buchen