Kann man Extrasystolen wirklich spüren? Warum die Signale vom Herzen fehleranfällig sind
Da draußen findet ein regelrechter Kampf zwischen Befürwortern und Gegnern der Frage statt, ob man seine Extrasystolen merken kann. Ein Blick auf den Körper hilft weiter.
Warum wir am Herzen kaum verlässlich spüren
Unsere Nervenrezeptoren sind im Körper ungefähr danach verteilt, wie nützlich es wäre, dort etwas wahrzunehmen, so wie bei uns evolutionsbiologisch fast alles entstanden ist. An den Fingerspitzen und auf der Zunge haben wir ein gutes Tastvermögen, kleine Kinder nehmen alles in den Mund, weil das Tasten dort zunächst feiner ist als über die Finger. Am Rücken dagegen liegen Schmerz- und Tastrezeptoren weit auseinander, weil dieser Bereich für unsere Vorfahren nicht so verletzlich war.
Aus demselben Grund macht es wenig Sinn, dass wir ausgerechnet am Herzen, dessen Schlag wir gar nicht kontrollieren sollen und können, eine dichte Vernetzung von Nervenfasern hätten, die uns ein verlässliches Bild zurückgibt. Das heißt: Die Signale, die wir aus diesem Bereich spüren, sind einfach fehleranfällig.
Der Körper arbeitet bidirektional, das Gehirn filtert
In unserem Körper läuft fast alles bidirektional ab. Das Gehirn sendet nicht nur „Mach mal", sondern bekommt bei vielen Dingen auch einen Impuls zurück: Der Befehl ist ausgeführt, der Muskel ist angespannt, ich habe gelacht, also werden Glückshormone ausgeschüttet. Darin liegt ein wichtiges Merkmal: Theoretisch könnte unser Gehirn alles spüren, jede Muskelbewegung, jeden Herzschlag. Eine vernünftige Realitätsverarbeitung entsteht aber nur, weil das Gehirn uns den allergrößten Teil der Information vorenthält und herausfiltert. Unser Bewusstsein funktioniert genau deshalb, weil das meiste gar nicht erst hineinkommt.
Wie wir uns das Spüren antrainieren
Mit dem, was du und viele andere erleben, haben wir dem Gehirn irgendwann das Signal gegeben: Nimm das bitte wahr. Man spürt es einmal, richtet den Fokus darauf, und prüft dann tage- und wochenlang, ob es noch da ist, so wie bei einer kleinen Glaskörpertrübung, diesem schwarzen Fleck im Blickfeld. Damit trainieren wir den Kopf darauf, es wahrzunehmen. Nicht, weil es vorher nicht da war und plötzlich auftaucht, sondern weil wir dem Gehirn beibringen, es in die Realitätsverarbeitung aufzunehmen. Das haben wir uns gedanklich antrainiert.
Und wir können kaum etwas tun, um eine gedanklich antrainierte, oft negativ erlebte Eigenschaft einfach abzustellen. Genau das ist der Punkt: Solange wir nur herausfinden, warum wir etwas wahrnehmen, werden wir es weiterhin wahrnehmen. Das ist aber nicht das Ziel. Deshalb geht es im nächsten Schritt darum, anderes größer zu machen.
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