Herzstolpern bei Stress und nach dem Essen: Warum das Sinn ergibt

Vielleicht kennst Du das: Du sitzt am Schreibtisch, bist mitten in einer angespannten Arbeitssituation, und plötzlich merkst Du einen zusätzlichen Schlag im Brustkorb. Das Herz stolpert. Oder Du hast in Ruhe eine größere Mahlzeit gegessen, lehnst Dich zurück, und wieder taucht dieses Gefühl auf. Nicht immer, aber immer wieder. Und immer bleibt die Frage: Was passiert da eigentlich?

Ein Zuschauer meines Kanals hat mir genau diese Frage gestellt. Er schreibt, dass er unter Herzstolpern leidet, insbesondere wenn er bei der Arbeit Stress hat und nach einer vollen Mahlzeit. Und er möchte wissen, ob das Sinn ergibt.

Meine Antwort lautet: Ja, das ergibt Sinn. Und ich möchte Dir in diesem Beitrag erklären, warum das so ist, was medizinisch dahintersteckt und, viel wichtiger, was Du selbst tun kannst, um mit dieser Situation einen anderen Umgang zu finden.

Der erste Schritt ist immer die ärztliche Abklärung

Bevor wir tiefer in die psychosomatischen Zusammenhänge einsteigen, ist ein Punkt für mich absolut zentral: Ich schiebe in meiner Arbeit nichts einfach auf die Psyche. Im Gegenteil. Wir schieben zuerst alles auf das Organische und lassen abklären, ob es einen körperlichen Hintergrund gibt.

Gerade beim Herzen gehen die Alarmglocken schnell an, und das zurecht. Wenn der kleine Finger einmal zuckt, kann man das lockerer nehmen. Beim Herzen ist die Aufmerksamkeit natürlich sofort da. Deshalb: Wenn Du Herzstolpern bemerkst, geh zum Arzt. Lass ein EKG machen, gegebenenfalls eine Langzeitmessung, ein Blutbild, eine Blutdruckmessung. Mit diesen Basisuntersuchungen deckst Du bereits einen absoluten Großteil der ernstzunehmenden Erkrankungen ab, die überhaupt hinter Herzstolpern stecken könnten.

Wichtig ist dabei: Der Arzt schließt Krankheiten aus. Das heißt aber nicht, dass er Dir erklärt, warum Du Dich so fühlst, wie Du Dich fühlst. Es kann sein, dass Du beim Arzt hörst „Sie sind gesund" und Dich trotzdem weiter unwohl fühlst. Das ist der Punkt, an dem viele Menschen frustriert nach Hause gehen. Aber es ist genau der Punkt, an dem die eigentliche Arbeit beginnt.

Extrasystolen sind meistens keine Krankheit

Extrasystolen, so der medizinische Fachbegriff für Herzstolpern, sind zusätzliche Herzschläge, die außerhalb des normalen Rhythmus auftreten. „Extra" heißt hier nicht extra stark, sondern schlicht zusätzlich.

In den allermeisten Fällen entspringen Extrasystolen nicht einer behandelbaren Krankheit. Es gibt bestimmte medizinische Schwellenwerte, ab denen eine Ablation, also ein Eingriff im Herzkatheterlabor, sinnvoll wird. Die Größenordnung liegt hier bei etwa 20.000 bis 30.000 Extrasystolen pro Tag. Menschen, die Herzstolpern gelegentlich oder auch mehrmals am Tag spüren, liegen weit darunter. Trotzdem kann der Leidensdruck enorm sein, und das nehme ich absolut ernst.

Warum Stress Herzstolpern verstärkt

Kommen wir zur eigentlichen Frage. Warum tritt Herzstolpern gehäuft unter Stress auf?

Der Mechanismus ist gut nachvollziehbar. Belastungen jeder Art, egal ob mental oder körperlich, führen zu einer vermehrten Ausschüttung von Stresshormonen, vor allem Adrenalin und Noradrenalin. Diese Hormone machen Nerven sensibler und Gewebe empfindlicher gegenüber weiteren Hormoneinflüssen. In der Nähe des Sinusknotens, dem natürlichen Taktgeber des Herzens, können sich sogenannte Zellanomalien befinden. Das sind Zellen, die unter erhöhter Reizung eher einen zusätzlichen Impuls abgeben.

Das Ergebnis: Extrasystole. Herzstolpern.

Dieser Mechanismus erklärt gut, warum manche Menschen unter Stress mehr Herzstolpern erleben als andere. Wer besonders sensibel auf Stresshormone reagiert, wer außerdem einen Trainingszustand mitbringt, in dem er stark auf das eigene Herz achtet, der spürt Extrasystolen viel deutlicher als jemand, der sie gar nicht wahrnimmt.

Warum Herzstolpern nach dem Essen auftritt: Das Roemheldsyndrom

Der zweite Teil der Frage ist noch spannender, weil er auf einen medizinisch klar beschriebenen, aber vielen Betroffenen unbekannten Zusammenhang verweist: das Roemheldsyndrom.

Das Roemheldsyndrom ist keine eigenständige Krankheit im engeren Sinne, sondern eine Zusammenfassung beobachtbarer Symptome. Was passiert dabei?

Wenn Du eine große Mahlzeit isst, dehnt sich Dein Magen aus. Zusätzlich entsteht durch Verdauungsvorgänge Luft im Bauchraum. Nach links und rechts ist der Raum durch die Rippen begrenzt, nach hinten durch die Wirbelsäule. Ausdehnen kann sich der Bauchraum also vor allem nach oben. Und was liegt oberhalb des Zwerchfells? Herz und Lunge.

Ein voller Bauch drückt das Zwerchfell nach oben, und das drückt wiederum gegen die Herzspitze und nimmt der Lunge Raum. Für empfindliche Menschen kann sich das anfühlen wie Herzstolpern, Enge in der Brust, Kurzatmigkeit. Es hat keinen echten Krankheitswert, es ist mechanisch bedingt. Aber es fühlt sich nicht so an.

Bei sensibilisierten und hyperfokussierten Menschen führt genau dieser mechanische Reiz wieder zu einer verstärkten Stresshormonausschüttung, und der Kreislauf beginnt: Wahrnehmung, Bewertung, Reaktion, verstärktes Symptom.

Die eigentliche Arbeit liegt in der Bewertung

Die meisten Symptome, die wir erleben, sind eine Kombination aus einer Wahrnehmung und einer Bewertung, die darauf folgt. Die Wahrnehmung selbst können wir kaum beeinflussen. Die Bewertung schon. Und genau hier setzt Veränderung an.

Bewertungen bilden ein breites Spektrum. Am einen Ende steht: „Ach, ist gerade halt so, kenne ich, geht vorbei." Am anderen Ende: „Oh Gott, was ist, wenn ich daran sterben muss?" Zwischen diesen beiden Polen liegt Deine tägliche Reaktion auf Dein Symptom. Und diese Reaktion ist trainiert. Sie ist nicht angeboren, sie ist gelernt.

Das Modell, das ich dabei gerne benutze, lautet: Aktion, Reaktion, Emotion. Die Aktion ist der ursprüngliche Reiz, in diesem Fall das Herzstolpern. Die Reaktion ist Deine gedankliche und emotionale Bewertung, die darauf folgt. Und aus dieser Reaktion entsteht die Emotion, die Du dann als eigentliches Leiden erlebst.

Manche Betroffene sagen mir: „Ich habe aber gar keine Bewertung mehr. Das Herzstolpern kommt, und das schlechte Gefühl ist direkt da." Das ist ein wichtiger Punkt. Denn unser Gehirn lernt durch Wiederholung. Wenn Du über Jahre hinweg das Herzstolpern immer wieder bewertet hast, dann hat sich diese Bewertung so tief eingeprägt, dass sie heute gar nicht mehr bewusst erscheinen muss. Der Trigger allein reicht, das Gefühl kommt direkt.

Das bedeutet nicht, dass die Bewertung verschwunden ist. Sie hat sich in einen Automatismus verwandelt. Und ein Automatismus ist genauso trainierbar wie ein bewusster Vorgang.

Warum die Vorgeschichte oft tiefer liegt

Wenn ich mit Menschen arbeite, die unter Extrasystolen leiden, dann finde ich fast immer eine tiefere Vorgeschichte. Es ist selten nur der Stress im Job, der als Auslöser identifizierbar wäre. Meistens gibt es Unzufriedenheiten mit dem eigenen Leben, Wege, die man nicht mehr gehen möchte, aber irgendwie gehen muss. Zustände, in denen man merkt: So mag ich mein Leben eigentlich nicht, aber es muss weitergehen. Und diese unterschwellige Belastung nährt das sensorische System.

Wenn Dein Nervensystem in einer ständigen leichten Alarmbereitschaft ist, dann sind alle Wahrnehmungen für Symptome erhöht. Du achtest mehr auf Dein Herz, spürst mehr, bewertest schneller. Und weil diese Bewertung meistens negativ ausfällt, schaukelt sich die Situation auf.

Was Du konkret tun kannst

Der Weg raus aus dieser Situation ist oft unintuitiv. Denn was ich Dir jetzt sage, ist das Gegenteil von dem, was Dein Kopf hören möchte.

Dein Kopf sagt: „Ich will diese Symptome loswerden." Ich sage: „Der erste Schritt ist Akzeptanz." Nicht Akzeptanz im Sinne von „Ich finde das gut", sondern im Sinne von: „Ich höre auf, dagegen zu kämpfen."

Wenn Du gegen ein Symptom kämpfst, gibst Du ihm mehr Energie. Wenn Du es abzustellen versuchst, richtest Du Deinen Fokus darauf. Und Fokus verstärkt Wahrnehmung. Deshalb ist der erste Schritt: temporäre Duldung. Nicht als Ziel, sondern als Beginn.

Danach kommt das Training. Du kannst Deine Bewertungen verändern. Nicht durch einmaliges Verstehen, sondern durch Wiederholung. Genau so, wie Dein Gehirn früher die problematische Bewertung gelernt hat, kannst Du ihm heute eine neue beibringen.

Ein Satz, den Du Dir hundert Mal pro Woche innerlich sagen darfst, wenn das Herzstolpern kommt: „Es ist in Ordnung. Mein Herz macht seinen Job. Ich bin abgeklärt und gesund." Kein Zauberspruch, sondern ein Trainingsimpuls.

Und parallel dazu darfst Du an der tieferen Ebene arbeiten. Wo bist Du in Deinem Leben unzufrieden? Wo tust Du Dinge, die Du eigentlich nicht tun willst? Wo unterlässt Du Dinge, die Du eigentlich tun möchtest? Das sind die Fragen, die den Boden verändern, auf dem Deine Symptome überhaupt wachsen können.

Fazit

Herzstolpern bei Stress und nach dem Essen ergibt medizinisch und psychosomatisch Sinn. Es ist meistens kein Zeichen einer schweren Erkrankung, sondern ein Symptom, das sich aus mehreren Faktoren zusammensetzt: erhöhte Stresshormonausschüttung, mechanische Effekte wie das Roemheldsyndrom, und vor allem ein Trainingszustand aus Wahrnehmung, Bewertung und Reaktion, den Du im Laufe der Zeit selbst aufgebaut hast.

Die gute Nachricht: Was Du aufgebaut hast, kannst Du auch umbauen. Es braucht Geduld, Verständnis und die Bereitschaft, gegen die intuitive Reaktion zu arbeiten. Aber der Weg ist gangbar, und ich unterstütze Dich dabei gerne.

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Bereit für den nächsten Schritt?

Wenn Du merkst, dass Du mit diesen Themen nicht allein weiterkommst und Dir professionelle Begleitung wünschst, buche gerne einen Termin für ein Erstgespräch.

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