Wie Gedanken wirken: Warum Dein Kopf produziert, was Du gar nicht denken willst
Du hast vielleicht schon gemerkt, dass die unangenehmen Gedanken oft genau dann am lautesten sind, wenn Du sie loswerden willst. Je mehr Du gegen einen Gedanken ankämpfst, desto hartnäckiger kehrt er zurück. Das ist kein Zeichen, dass mit Dir etwas nicht stimmt. Es ist die Art, wie Gedanken funktionieren. In diesem Kapitel schauen wir an, warum Dein Gehirn auch das produziert, was Du nicht haben willst, warum negative Gedanken normal sind, warum wir oft dem Vertrauten mehr glauben als dem Richtigen, und warum Veränderung sich so zäh anfühlt.
Dein Gehirn verarbeitet jeden Gedanken, auch den ungewollten
Versuch einmal, nicht an einen weißen Bären zu denken. Genau in dem Moment ist er da. Dein Gehirn kann eine Verneinung nicht direkt verarbeiten. Um nicht an etwas zu denken, muss es das Etwas erst aufrufen. Wer sich also vornimmt, bloß keine Panik zu bekommen, ruft die Panik damit auf den Plan.
Das erklärt, warum das Wegdrücken von Gedanken so selten funktioniert. Jeder Versuch, einen Gedanken zu unterdrücken, ist zugleich eine Beschäftigung mit ihm, und Beschäftigung verstärkt. Der Ausweg ist nicht, härter zu unterdrücken, sondern dem Gedanken seine Bedeutung zu nehmen. Ein Gedanke, den Du kommen und gehen lässt, ohne ihn zu bewerten, verliert seine Kraft. Er ist dann nur noch ein Gedanke, kein Befehl.
Sind negative Gedanken ein Zeichen von Krankheit?
Viele Menschen erschrecken über die eigenen Gedanken. Plötzlich taucht ein schlimmes Bild auf, ein verstörender Einfall, und sofort kommt die Sorge, das könnte bedeuten, dass etwas nicht stimmt. Hier ist die Entlastung wichtig: Negative und sogar verstörende Gedanken sind ein normales Produkt eines Gehirns, das ständig Szenarien durchspielt.
Der entscheidende Unterschied liegt nicht im Auftauchen eines Gedankens, sondern in der Bedeutung, die Du ihm gibst. Menschen ohne Angst haben dieselben absurden Einfälle, sie winken sie nur innerlich ab. Wer dagegen jeden dunklen Gedanken als Beweis für eine drohende Gefahr oder einen Defekt liest, gibt ihm Gewicht und hält ihn fest. Ein Gedanke wird nicht durch sein Erscheinen gefährlich, sondern durch Deine Reaktion darauf.
Warum wir glauben, was vertraut ist, und nicht, was richtig ist
Unser Gehirn hält nicht das für wahr, was logisch belegt ist, sondern das, was es oft gehört hat. Eine Überzeugung entsteht durch Wiederholung, nicht durch Beweise. Wenn Du Dir seit Jahren sagst, mein Herz ist schwach oder ich halte das nicht aus, dann ist dieser Satz vertraut geworden, und Vertrautes fühlt sich wahr an, selbst wenn jeder ärztliche Befund das Gegenteil zeigt.
Das ist eine schlechte und eine gute Nachricht zugleich. Die schlechte: Ein einmaliges Argument ändert eine eingeschliffene Überzeugung nicht. Die gute: Überzeugungen sind formbar. Wenn ein vertrauter Satz durch Wiederholung stark geworden ist, kann ein neuer, hilfreicher Satz durch Wiederholung ebenfalls stark werden. Du baust eine neue Überzeugung nicht mit einem genialen Einfall, sondern mit Geduld und Wiederholung.
Klartext mit Dir selbst, und warum Veränderung schwerfällt
Vieles, was Anspannung erzeugt, bleibt vage und unausgesprochen. Genau diese Unklarheit hält den Kreislauf am Laufen, denn ein diffuses Unbehagen kann Dein Gehirn nicht lösen, nur ein klar benanntes Problem. Deshalb lohnt sich Klartext, vor allem mit Dir selbst. Sag Dir und anderen ehrlich, was Sache ist, statt es im Ungefähren zu lassen.
Und wenn Du Dich fragst, warum Du Dich nicht veränderst, obwohl Du es willst, liegt die Antwort selten an fehlendem Willen. Dein Gehirn bevorzugt das Vertraute, auch wenn es leidvoll ist, weil das Vertraute Sicherheit verspricht. Veränderung fühlt sich anfangs falsch an, gerade weil sie neu ist. Wer das weiß, deutet den inneren Widerstand nicht als Beweis, dass es nicht geht, sondern als normales Zeichen dafür, dass gerade wirklich etwas Neues entsteht. Ein klarer Plan, der das Neue greifbar macht, nimmt dem Gehirn dabei die Angst, etwas Wichtiges zu verpassen.
Das Wichtigste auf einen Blick: Dein Gehirn verarbeitet jeden Gedanken, auch den ungewollten, weshalb Wegdrücken ihn verstärkt und das Loslassen ihn schwächt. Negative Gedanken sind normal, gefährlich wird erst die Bedeutung, die Du ihnen gibst. Überzeugungen entstehen durch Wiederholung, nicht durch Beweise, und sind deshalb formbar. Und Veränderung fühlt sich zäh an, weil Dein Gehirn das Vertraute bevorzugt, was kein Hindernis ist, sondern ein normaler Teil des Weges.
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In meiner Praxis in Bonn oder online begleite ich Menschen mit psychosomatischen Symptomen seit 2011. Über 17.000 Sitzungen, über 1.500 begleitete Klientinnen und Klienten.
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