Wenn das Herz stolpert und die Angst bleibt: Das Vorwort zu „Schluss mit Herzangst“

Es ist 3:40 Uhr. Du bist aufgewacht und weißt nicht genau, warum. Dann merkst Du es: Dein Herz schlägt, Du hörst es im Kissen, im Ohr, im ganzen Körper. Plötzlich ein Ruck, ein Schlag, der aus der Reihe tanzt. Du liegst ganz still und lauschst in die Dunkelheit. Neben Dir atmet jemand ruhig und gleichmäßig. Du dagegen bist hellwach und wartest auf den nächsten Ruck, auf den Beweis, dass diesmal wirklich etwas nicht stimmt.

Mit dieser Szene beginnt mein Buch über die Angst ums eigene Herz. In diesem Artikel fasse ich zusammen, was Dich im Vorwort zu „Schluss mit Herzangst“ erwartet.

Der Satz, auf den Du gewartet hast

Vielleicht warst Du schon beim Hausarzt und beim Kardiologen. Ruhe-EKG, Belastungs-EKG, Ultraschall, ein Langzeit-EKG, das Du einen ganzen Tag getragen hast. Und dann kam der Satz, auf den Du so lange gewartet hast: „Ihr Herz ist gesund.“

Die Erleichterung hielt einen Tag, vielleicht eine Woche. Dann kam der nächste Stolperer und mit ihm die Frage, die seitdem nicht mehr verschwindet: Was, wenn der Arzt etwas übersehen hat?

Wenn Du Dich darin wiederfindest, halte kurz inne. Du bist nicht verrückt, und Du bildest Dir nichts ein. Mit diesem Erleben bist Du in viel größerer Gesellschaft, als Du ahnst. Die meisten Betroffenen sprechen mit niemandem darüber. Wer es doch wagt, hört erstaunlich oft: „Das kenne ich, das hatte ich auch.“

Warum ich dieses Buch schreibe

Seit 2011 begleite ich Menschen mit Angst, Panik und körperlichen Symptomen. In mehr als 17.000 Sitzungen gehört die Angst ums eigene Herz zu den häufigsten Themen. Bevor ich Therapeut wurde, habe ich viele Jahre in der Notfallrettung gearbeitet. Ich weiß, wie es aussieht, wenn ein Körper wirklich um sein Überleben kämpft. Gerade deshalb kann ich Dir klar sagen: Das allermeiste, was Dir in Deiner Brust Angst macht, gehört nicht in diese Kategorie.

Ich kenne auch die andere Seite. Panikattacken haben mich früher hin und wieder besucht. Ich weiß also nicht nur aus Büchern, wie sich das anfühlt.

Dein Herz stolpert jeden Tag, und das ist gesund

Ein Langzeit-EKG ganz ohne Extraschlag ist kein Zeichen besonderer Gesundheit. Bei den allermeisten gesunden Menschen zeichnet es einige Extraschläge auf, und die meisten merken davon nichts.

Es geht noch weiter. Legt man Betroffenen die Uhrzeiten vor, zu denen ihr Langzeit-EKG Extraschläge aufgezeichnet hat, und fragt, ob sie in diesem Moment etwas gespürt haben, lautet die Antwort sehr oft: nein. Umgekehrt zeigt das EKG in vielen Momenten, in denen sie ein deutliches Stolpern gespürt haben, einen ganz gewöhnlichen Herzschlag. Was Du spürst, ist echt. Aber es ist selten das, wofür Du es hältst.

Warum Dein Kopf das Herz so laut hört

Dein Herz ist ein Organ, das Du nicht steuern kannst und auch nicht steuern musst. Deshalb hat die Natur es nicht besonders dicht mit Nerven ausgestattet, die Deinem Gehirn verlässlich melden, was dort geschieht. Die Signale aus Deiner Brust sind fehleranfällig. Und Dein Gehirn hat gelernt, genau diesen Signalen besonders viel Aufmerksamkeit zu schenken. Nicht aus Schwäche, sondern weil Du ihm das am häufigsten gezeigt hast.

Darin steckt die eigentlich gute Nachricht: Was gelernt ist, lässt sich umlernen. Dein Gehirn baut sich jeden Tag um, nach dem, was Du wiederholst. Das Problem ist nicht das Stolpern. Das Problem ist das, was Dein Kopf in der Sekunde danach daraus macht. Was war das? Kommt das wieder? Was, wenn es schlimmer wird? Diese Bewertung ist trainiert, und genau dort setzt das Buch an.

Was ich Dir verspreche und was nicht

Ich verspreche Dir nicht, dass Dein Herz nie wieder stolpert. Das wäre unehrlich und auch nicht gesund. Ich verspreche Dir etwas anderes. Du wirst verstehen, was in Deiner Brust tatsächlich passiert. Du wirst erkennen, wie Dein Kopf aus einem harmlosen Schlag eine Bedrohung baut. Und Du bekommst Werkzeuge, mit denen Du diesen Mechanismus Schritt für Schritt umbaust, bis das Stolpern wieder das ist, was es bei den meisten Menschen ist: bedeutungslos.

Drei Säulen

Das Buch steht auf drei Säulen. Die erste sind die Fragen, die mir Menschen wie Du unter meinen Videos und in der Praxis gestellt haben. Ihre Fragen sind Deine Fragen, und meine Antworten bilden das Herz des Buches. Die zweite Säule ist meine Erfahrung aus vielen Jahren therapeutischer Arbeit: was Menschen wirklich weiterhilft und was sie nur für einen Abend beruhigt. Die dritte Säule ist die Forschung, überall dort, wo sie Dir erklärt, warum Dein Kopf das Herz so laut hört. Bei allem Medizinischen halte ich mich an die aktuellen Empfehlungen der Fachgesellschaften.

Wann Du ärztliche Hilfe brauchst

Das Buch ersetzt keine ärztliche Abklärung. Neue oder veränderte Beschwerden gehören zum Arzt. Und manche Situationen gehören sofort in den Notruf (112): wenn starker Druck oder Schmerz in der Brust länger als fünf Minuten anhält oder in Arm, Kiefer, Rücken oder Oberbauch ausstrahlt, wenn Du in Ruhe schwere Atemnot hast, wenn Du ohnmächtig wirst oder Dein Herz über längere Zeit sehr schnell und unregelmäßig rast.

Für alles, was abgeklärt ist und Dich trotzdem nicht loslässt, habe ich dieses Buch geschrieben. Dein Herz hat Dich bis hierher getragen, jeden Tag, ohne dass Du etwas dafür tun musstest. Es ist Zeit, dass Du ihm wieder vertraust.

Fazit

Das Wichtigste auf einen Blick: Extraschläge sind bei gesunden Menschen alltäglich und meist unbemerkt. Was Du in der Brust spürst, ist echt, aber selten das, wofür Du es hältst. Dein Gehirn hat gelernt, die ungenauen Signale aus dem Herzen besonders ernst zu nehmen, und was gelernt ist, lässt sich umlernen. Das Problem ist nicht das Stolpern, sondern die Bewertung danach. Ärztliche Abklärung und klare Notfallzeichen bleiben dabei die Grundlage.

Das Buch zum Thema

Schluss mit Herzangst

Alle Gedanken aus diesem Vorwort und die Werkzeuge gegen die Angst ums eigene Herz findest Du in meinem Buch „Schluss mit Herzangst“. Hier findest Du alle meine Bücher und Hörbücher.

Wenn Du Dir bei Deiner Herzangst persönliche Begleitung wünschst, unterstütze ich Dich gern in meiner Praxis in Bonn oder online. Termin buchen

Weiter
Weiter

Das Katastrophengehirn: Kapitel 3 aus „Schluss mit Krankheitsangst“