Selbstbewusst durch schwierige Zeiten: Wie Du Schwindel und Angst meisterst
Es ist ein heimtückisches Symptom. Plötzlich wird Dir schwindelig, der Boden scheint zu schwanken, der Kopf fühlt sich benommen an, als wärst Du von Dir selbst ein Stück entfernt. Vielleicht hast Du Angst, umzukippen oder ohnmächtig zu werden. Und weil sich Schwindel so körperlich anfühlt, liegt der Gedanke nahe, dass etwas mit dem Kreislauf, den Ohren oder dem Kopf nicht stimmt.
Vielleicht warst Du deshalb schon bei Ärzten, und die Befunde waren unauffällig. Das ist gut und wichtig, und doch bleibt die Frage: Warum dann der Schwindel? Genau hier lohnt der Blick auf einen Zusammenhang, der oft übersehen wird, nämlich den zwischen Schwindel und Anspannung.
Warum Anspannung schwindelig macht
Dein Gleichgewicht ist ein fein abgestimmtes Zusammenspiel. Augen, Innenohr und unzählige Rückmeldungen aus dem Körper liefern Deinem Gehirn ständig Informationen, aus denen es ein sicheres Stehen und Gehen errechnet. Dieses System arbeitet am besten, wenn Du Dich nicht einmischst.
Unter Anspannung und Angst gerät es leicht aus dem Takt. Wer ständig unter Strom steht, atmet oft flacher und schneller, und diese veränderte Atmung allein kann schon Benommenheit und ein flaues Gefühl im Kopf erzeugen. Hinzu kommt, dass ein Nervensystem in Daueralarm die Körperwahrnehmung verzerrt. Der Schwindel ist dann kein Zeichen einer Erkrankung, sondern ein Ausdruck der Anspannung. Er kommt nicht aus dem Ohr, sondern aus dem überlasteten System.
Wie das Achten auf das Gleichgewicht den Schwindel verstärkt
Sobald Du den Schwindel als bedrohlich erlebst, beginnst Du, auf Dein Gleichgewicht zu achten. Du prüfst beim Gehen, ob Du sicher stehst. Du beobachtest jede kleine Schwankung. Du vermeidest vielleicht bestimmte Orte, große Plätze, Menschenmengen, weil Du dort schon einmal Schwindel hattest. Diese Wachsamkeit soll Dich schützen.
Tatsächlich stört sie das, was eigentlich automatisch läuft. So wie bewusst gesteuertes Gehen plötzlich steif wirkt, so wird auch das Gleichgewicht unsicherer, wenn Du es ständig kontrollierst. Das Achten und Vermeiden ist ein Sicherheitsverhalten, das den Schwindel im Zentrum Deiner Aufmerksamkeit hält und die Angst nährt. Und wie bei jeder Panik kann der akute Moment Dich überrollen, für den es hilfreich ist, eine Erste Hilfe parat zu haben.
Wie Du wieder festen Boden findest
Der Weg führt nicht darüber, den Schwindel zu bekämpfen, sondern ihm seine bedrohliche Bedeutung zu nehmen. Wenn Du verstehst, dass er harmlos ist und aus der Anspannung kommt, musst Du nicht mehr bei jeder Schwankung in Alarm geraten. Lass den Schwindel da sein, ohne ständig zu prüfen, ob Du noch sicher stehst. Dein Körper hält Dich, auch ohne dass Du ihn kontrollierst.
Genauso wichtig ist, die vermiedenen Situationen nach und nach wieder aufzusuchen. Jedes Mal, wenn Du an einem dieser Orte bist und nichts Schlimmes geschieht, lernt Dein Gehirn, dass keine Gefahr besteht, und der Schwindel verliert seinen Schrecken. Und schließlich lohnt der Blick auf die Anspannung selbst. Der Schwindel ist ihr Bote, nicht ihre Ursache. Kümmerst Du Dich um die Überlastung in Deinem Leben, dann beruhigt sich auch das System, das Dir den Boden unter den Füßen wegzuziehen scheint. Selbstbewusst durch schwierige Zeiten zu gehen heißt nicht, keinen Schwindel mehr zu spüren, sondern ihm nicht mehr ausgeliefert zu sein.
Das Wichtigste auf einen Blick: Schwindel ohne organischen Befund ist häufig Ausdruck von Anspannung, veränderter Atmung und einem überlasteten Nervensystem, nicht von einer Erkrankung. Das ständige Achten auf das Gleichgewicht und das Vermeiden bestimmter Orte verstärken ihn, weil sie einen automatischen Vorgang stören und die Aufmerksamkeit festhalten. Der Weg zu festem Boden führt darüber, dem Schwindel die Bedeutung zu nehmen, vermiedene Situationen wieder aufzusuchen und die zugrunde liegende Anspannung zu lösen.
Wenn Du selbst betroffen bist:
Vielleicht erkennst Du Dich in dem wieder, was Du gerade gelesen hast. Symptome wie diese haben einen Grund. Und es gibt einen Weg, mit ihnen anders umzugehen.
In meiner Praxis in Bonn oder online begleite ich Menschen mit psychosomatischen Symptomen seit 2011. Über 17.000 Sitzungen, über 1.500 begleitete Klientinnen und Klienten.
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